Vermeidung von Treibhausgasen durch Regenwürmer?

Nachfolgend ein Projektbericht der gUG Umweltschutz und Lebenshilfe:

Ziele:
• Entsorgung von Tiermist und Verhinderung von Nitratanreicherungen im Grundwasser
• Verhinderung der Treibhausgasentwicklung (insbesondere Distickstoffmonoxid sowie Methan) durch schnelle Umwandlung von Tiermist (hauptsächlich Pferdemist) zu Wurmhumus
• Produktion eines natürlichen Düngemittels (Bodenverbesserer)

Motivation und Ausgangslage

Bereits seit Frühjahr 2015 werden von uns unterschiedliche Biomüll-Verwertungsstationen betrieben und kontinuierlich neue Techniken ausprobiert (siehe dazu auch: http://www.noz.de/lokales/melle/artikel/607005/westerhausener-stellt-begehrten-humus-her#gallery&0&0&607005 sowie https://schrotundkorn.de/ernaehrung/lesen/unter-dem-asphalt.html). Mittlerweile liegt der Fokus auf der Wiederverwertung und „Veredelung“ von Tiermist des von uns betriebenen kleinen Gnadenhofes Brödel Melle (http://gnadenhof-melle.de). Hierzu wird mittlerweile auf ca. 30 m² eine Wurmkompostieranlage betrieben.

Sinnvolle Wurmkompostierung

Die Thematik „Wurmzucht“ bzw. „Wurmkompostierung“ ist ein Bereich, welche auch im Jahre 2017 noch oftmals (zu Unrecht) belächelt wird. Dabei genießt dieser Sektor etwa seit den 70er Jahren insbesondere im Bio-/Öko-Landbau eine hohe Beachtung. In der Wissenschaft existieren mittlerweile Publikationen im vierstelligen Bereich zu diesem Thema. Schon Charles Darwin hob den expliziten Nutzen dieser Tiere für einen gesunden Boden hervor.

Abgesiebter Wurmhumus

Abgesiebter Wurmhumus


Bei Graff ist zu lesen:

„Es besteht kein Zweifel, dass man Regenwürmer in vielerlei Weise nutzbringend einsetzen oder verwerten kann und dass sie geeignet sind, nach den Bienen ein weiteres Nutztier unter den Wirbellosen zu werden.“

(Graff 2003, S.4)
Dennoch werden sog. „Vermikulturen“ trotz einer massiven Bodendegradation und hoher Treibhausgase in der Landwirtschaft noch nicht breitenwirksam eingesetzt.

Austritt von Treibhausgasen

Schädliche Treibhausgase entstehen bekanntermaßen durch unterschiedliche Wirtschaftszweige bzw. gesellschaftliche Verhaltensweisen. Ein nicht zu unterschätzender Sektor im Stadt- bzw. Gemeindegebiet von Melle ist der Sektor der Pferdehaltung. Gemäß Meller Kreisblatt vom 16.09.2016 befinden sich im Umkreis von Melle über 40 Reiterhöfe. Wissenschaftlich belegt ist, dass trotz partieller Verwendung in Biogasanlagen, die Entsorgung des anfallenden Pferdemistes oftmals ein Problem darstellt.
„Da die Pferde in der Regel auf spezialisierten Betrieben mit einer geringen Flächenausstattung gehalten werden, stellt die Verwertung des produzierten Mistes häufig ein erhebliches Problem dar. Aufgrund des hohen Anteils an Einstreu ist eine Ausbringung auf Grünland ohne ausreichende Rotte nicht möglich. Bedingt durch den geringen Düngewert des Pferdemistes ist die Verwertung im Pflanzenbau schwierig. Daher ist in vielen pferdehaltenden Betrieben inzwischen ein Verwertungsproblem mit zum Teil erheblichen Entsorgungskosten entstanden. Eine energetische Verwertung des Pferdemistes konnte sich trotz des kontinuierlichen Anfalls, der guten Verfügbarkeit und geringer Kosten bis heute nicht etablieren“ (Mönch-Tegeder 2014, S.2).
Durch eine unsachgemäße Verwertung bzw. Lagerung von Pferdemist (und Tiermist im Allgemeinen) kann es zu einer Überdüngung des Bodens und einer Verunreinigung des Trinkwassers durch Nitrate kommen. Das Trinkwasser in einigen Teilen Melle ist nicht zuletzt durch eine intensive Landwirtschaft beeinträchtigt (siehe Weblink http://www.noz.de/lokales/melle/artikel/722850/hohe-nitratwerte-bis-in-100-meter-tiefe-in-melle). Dieses ist kein typisches „Melleraner Problem“ sondern ist als eine bundesweite Herausforderung landwirtschaftlich geprägter Regionen anzusehen.

Nicht nur die Einsickerung landwirtschaftlicher Reststoffe (Gülle in den Boden) sondern insbesondere der Austritt klimaschädlicher Treibhausgase (Ausgasung von Tiermist) ist hochproblematisch. Zu nennen sind hier insbesondere Distickstoffmonoxid und Methan (vgl. Mönch-Tegeder et al. 2013). Dieser Herausforderung wird teilweise dadurch entgegen getreten, dass Pferdemist in Biogasanlagen anaerob verwertet wird. Aufgrund seiner schlechten diesbezüglichen Nutzbarkeit stellt Pferdemist jedoch nur einen geringen Anteil der dort verwerteten Feststoffe dar (vgl. Mönch-Tegeder 2014). Eine nicht zu vernachlässigende Menge wird daher zunächst in klassischer Form „abgelagert“ und verursacht während des aeroben Verrottungsprozess hohe Mengen der genannten Treibhausgase. Landwirtschaftliche „Nebenprodukte“ machen aktuell etwa 12,5 % der Gesamtheit der Treibhausgas-Emissionen aus. Dabei ist zu betonen: In Tiermist vorkommendes Methan (CH4) trägt aufgrund seiner hohen Wirkung (25-mal so wirksam wie CO2) (Solomon et al. 2007) mit rund 20 % zum anthropogenen Treibhauseffekt bei.
Distickstoffmonoxid (Lachgas) (N2O) ist ein mit Tiermist direkt in Verbindung stehendes Treibhausgas, dessen Treibhauswirksamkeit etwa 298-mal so groß ist wie die von CO2 (Solomon et al. 2007). Im Kyoto-Protokoll wurde 1997 beschlossen, dass insbesondere die Produktion von Methan und Distickstoffmonoxid zu reduzieren ist.
Auch Ammoniak ist als „Problemgas“ zu nennen, welches aus Düngestoffen entweicht.

Gigantische Mengen Tiermist

Gemäß Deutscher Reiterlicher Vereinigung (2016) werden in Deutschland aktuell etwa 1,1 Millionen Pferde und Ponys gehalten. Die Pferdepopulation hat sich in Deutschland in den vergangenen 40 Jahren etwa vervierfacht. Nach Häußermann et al. (2002) ist pro Pferd mit einer Mistmenge zwischen 17 und 21 Tonnen zu rechnen. Dieses bedeutet, dass in Deutschland etwa 20.900.000 Tonnen Pferdemist pro Jahr anfallen.
Das Umweltbundesamt (2017) schreibt: „Die Landwirtschaft in Deutschland trägt maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase bei. Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch).“
Der Einsatz von Pferdemist als Dünger ist differenziert zu betrachten. Wird dieser gemeinsam mit einer Einstreu (Stroh, Sägespäne) für eine Düngung genutzt, so ist der Nutzen aufgrund des schlechten C/N-Verhältnisses (Gewichtsanteile von Kohlenstoff (C) und Stickstoff (N)) nicht besonders hoch. Wird dagegen „alleiniger“ Pferdemist eingesetzt, so können gute Ergebnisse erzielt werden. Dieses trifft jedoch nur dann zu, wenn dieser hinreichend abgelagert wurde (und in eben dieser Zeit Treibhausgase ausstößt). Ansonsten können Pflanzenwurzeln irreversibel geschädigt werden.
Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass der Großteil des Distickstoffmonoxids (etwa 95%) bei Pferdemist erst nach einer längeren Lagerungszeit entweicht (vgl. dazu He et al. 2001). Romano et al. (2006) weisen auf einen unkontrollierten Austritt von Methan während der Lagerung hin.
Unsere Thesen:

a) Eine schnelle Zersetzung und Verarbeitung von Tiermist (insbesondere Pferdemist) durch Regenwürmer reduziert den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase und reduziert zudem die Gefahr einer Nitratanreicherung im Grundwasser.
b) Durch eine Verarbeitung von Tiermist durch Regenwürmer lässt sich auf natürliche Art, mit geringen Kosten, ein hervorragender natürlicher Dünger/Bodenverbesserer produzieren (Wurmhumus).

Die Produktion eines Alternativdüngers ist schon deswegen wichtig, weil viele herkömmliche Dünger leicht löslichen Stickstoff oder Phosphate enthalten, welche in das Grundwasser einsickern oder einen Boden „überfüttern“ können. Dieses kann den natürlichen Bodenhaushalt nachhaltig schädigen. Bedenklich sind zudem Torfdünger, da diese nachhaltige Biotope durch den Abbau des Torfes irreversibel zerstören.

Projektaufbau

Der Gnadenhof „Brödel“ in Melle besteht aktuell aus drei gepachteten Flächen mit insgesamt 11.000 m². Hier tummeln sich Ponys, Schafe und Ziegen (und zu Ende 2017 noch diverse Kleintiere wie Hühner, Enten, Kaninchen, Meerschweinchen etc.). Der anfallende Tiermist wird mehrfach innerhalb der Woche zwecks Weidehygiene und Krankheitsvermeidung abgetragen und beträgt pro Monat einen Umfang von etwa 500 Litern Feststoffe. Zwar ist dieses im Vergleich zu klassischen Pferdehöfen marginal, dennoch ist es wichtig das Problem schon „im Kleinen“ anzugehen, um es „ins Große“ transformieren zu können.
Um diesen Tiermist schnell umwandeln zu können haben sich zwei unterschiedliche Mistwurmarten etabliert: Eisenia foetida sowie Eisenia hortensis (auch als Dendrobena Veneta bekannt)
Diese zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:
• Hohe Fortpflanzungsrate
• Schnelles Wachstum
• Hohe Boden- und Temperaturtoleranz
• Hohe Futterverwertung und damit hohe Humusproduktion

Damit die Wurmarten nicht aufgrund des hohen Ammoniakgehaltes unweigerlich sterben wird der Tiermist (insbesondere der Pferdemist) zunächst etwa 2-3 Wochen abgelagert. Anschließend wird dieser (teilweise zusammen mit Stroh oder Heuresten) auf die Wurmfarm gebracht.
Ein Film zu unserer Wurmfarm findet sich auf
https://www.youtube.com/watch?v=ZDlJDwzpY6Q

Wurmhumus

Die Wurmfarm ist mittlerweile etwa 30 m² groß. Auf einer Höhe von etwa 45 cm werden hier tierische Abfallprodukte, Pflanzenverschnitt, Gemüsereste und auch Zellstoffe ohne Farbaufdrucke (z.B. Pappe) verarbeitet. Zu dem „Reststoffgemisch“ wird zudem ein Anteil Erde hinzugegeben (etwa 40 % der Gesamtmenge). Zum Boden ist die Wurmfarm mit dicken Plastikplanen abgesichert, damit kein Wasser versickert. Für die Tiermistverarbeitung wurden zunächst (März 2017) etwa 10.000 Mistwürmer gekauft (monetärer Wert etwa bei 300 Euro). Zum jetzigen Stand (September 2017) liegt die Anzahl bei (geschätzt) etwa 75.000 Würmern. Diese fressen und verarbeiten den Tiermist, wobei eine Fülle von Klein- und Kleinstorganismen bei der Umarbeitung helfen. Die Verarbeitung funktioniert (je nach Anzahl der Würmer) relativ schnell. Eine „gut geführte“ Wurmfarm ist in der Lage, pro m² bis zu etwa 7000 Würmer „zu beherbergen“. Da unser Projekt noch (!) relativ wenige Verwerter integriert (im Frühjahr 2018 aber dürften es ca. 200.000 Würmer sein) wird der Tiermist aktuell innerhalb von 2-3 Monaten umgewandelt. Es entsteht feinkörniger Wurmhumus, welcher dann von uns manuell abgesiebt wird.

Informationen über Wurmhumus

Mit unterschiedlichen Mistformen sowie Kresse haben wir den klassischen „Kressetest“ durchgeführt.

Kressetest (nach 7 Tagen)

Kressetest (nach 7 Tagen)


Legende:
A= Schafs- und Ziegenmist (1 Monat abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
B= Schafs- und Ziegenmist (3 Monate abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
C= „Normale“ Erde [keine Wurmverarbeitung]
D= Frischer Pferdemist [keine Wurmverarbeitung]
E= Pferdemist (2 Monate abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
F= Pferdemist (6 Monate abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
G = Wurmhumus

Für den Kressetest wurden alle Proben mit der gleichen Menge Wasser befeuchtet. Auch die Anzahl der Kressesamen ist identisch.
Das Ergebnis zeigt, dass Schafs- und Ziegenmist eine geringe Wachstumsförderung bei Kresse bewirkt. Auch „normale Erde“ (nicht durch Düngestoffe angereichert (C)) weist ein unterdurchschnittliches Kresse-Wachstum im Gesamtvergleich auf. Deutlich höher ist dieses bei frischem Pferdemist (D), welcher jedoch aufgrund eines hohen Ammoniakgehaltes in dieser Form nicht für eine Düngung geeignet ist. Etwas geringer ist das Kressewachstum bei 2 Monate abgelagertem Pferdemist (E). Probe F (6 Monate abgelagerter Pferdemist) weist genaue wie D ein sehr üppiges Wachstum auf. Der schnellste Wuchs jedoch ist bei Probe G (Wurmhumus) zu verzeichnen (etwa 1 Zentimeter höher als Schaf-/Ziegenmist).
Auch nach 9 Tagen sind diese Wachstumsunterschiede gut zu erkennen.

Kressetest (nach 9 Tagen)

Kressetest (nach 9 Tagen)

In einem weiteren Versuch wurden 1000 Liter Pferdemist in einem IBC Regenwassertank gelagert (nach oben offen, damit es hineinregnen kann). Nach 4 Monaten hatte sich die Höhe des Mistes durch eine Verrottung um etwa 25% reduziert.
Die gleiche Menge Pferdemist wurde in einem zweiten Regenwassertank gelagert, wobei hier 5000 Mistwürmer und etwa 200 Liter Erde hinzugefügt werden. Trotz des insgesamt höheren Volumens reduzierte sich hier die Stoffhöhe um nahezu 50 %.

Fazit und Ausblick

Feststellung 1: Auf einfache Art und Weise kann aus anfallenden Tiermistsorten mit geringem monetären und zeitlichem Aufwand ein hervorragender Bodenverbesserer geschaffen werden, welcher zudem durch seine Ton-Humus-Kolloide die Auswirkungen von Starkregen reduziert.

Feststellung 2: Das Volumen des Tiermistes reduziert sich signifikant durch den Einsatz von Mistwürmern (im Vergleich zum „Nicht-Einsatz“). Die „Verarbeitung“ findet somit deutlich schneller statt. Es ist zu vermuten, dass ein geringeres Volumen auch gleichbedeutend mit einer geringeren Emission von Treibhausgasen ist. Somit: Vermeidung von Treibhausgasen durch Regenwürmer.

Um dieses wissenschaftlich belegen zu können soll im Jahre 2018 versucht werden, empirische Feldversuche mit der Universität Osnabrück durchzuführen. Das Ziel ist es, genau quantifizieren zu können, wie hoch die Emissionen (z.B. Methan, Distickstoffmonoxid) bei Pferdemist nach unterschiedlichen Zeiträumen mit bzw. ohne Wurmverarbeitung sind.

Unser Ziel ist es zudem, noch deutlich mehr Menschen davon zu überzeugen, dass eine sinnvolle Tiermistverwertung bei sehr geringen Investitionskosten stattfinden kann. Dazu nutzen wir beispielsweise verschiedene Webseiten oder aber veröffentlichen von Zeit zu Zeit Artikel in der Presse. Im Frühjahr 2018 werden wir versuchen, den Wurmhumus günstig zu verkaufen. Dieses soll nicht nur Einnahmen (insbesondere für den Gnadenhof) generieren sondern auch demonstrieren, wie einfach es ist, natürlichen Dünger zu produzieren.

Literatur

Arancon N.Q.; Edwards, C.A. (2005): „Effects of vermicomposts on plant growth“.Paper presented during the International Symposium Workshop on VermiTechnologies for Developing Countries (ISWVT 2005), Los Banos, Philippines November 16-18, 2005

Badauria T.; Saxena K. G. (2010): Role of Earthworms in Soil Fertility Maintenance through the Production of Biogenic Structures. In: Applied and Environmental Soil Science. S. 1-8

Bruksch, L.; Rimpau, J. (2013): Kompost aus der Kiste. Wurmkisten für den Hausgebrauch selber bauen. Stuttgart.

Buch, W. (1986): Der Regenwurm im Garten. Stuttgart

Deutsche Reiterliche Vereinigung (2016): FN aktuell. Offizielle Pressemitteilung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V., Mai 2016
Dunger, W. (1964): Tiere im Boden. Wittenberg

Graff; W. (2003): „Regenwürmer“, in: Ökoportrait 35, NVN/BSH, Beilage zu Natur und Kosmos. München. S.1-4

He, Y.; Yuhei, I.; Mizuochi, M.; Kong, H.; Iwami, N.; Sun, T. (2013): “Nitrous Oxide Emissions from Aerated Composting of Organic Waste”Environ. Sci. Technol., 2001, 35 (11), pp 2347–2351

Häußermann, A., Beck, J.; Jungbluth, T. (2002): Litter materials in horse husbandry. Landtechnik 57(1): 50-51

Mönch-Tegeder, M.; Lemmer, A.; Oechsner, H.; Jungbluth, T. (2013):
“Investigation of the methane potential of horse manure“. Agric Eng Int: CIGR Journal, Vol. 15, No.2, 161

Mönch-Tegeder, M. (2014): Untersuchungen zur Verwertbarkeit von Pferdemist im Biogasprozess. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Agrarwissenschaften (Dr. sc. agr.) vorgelegt der Fakultät Agrarwissenschaften, Universität Hohenheim

Orozco, S.H.; Cegarra, J.; Trujillo, L.M.; Roig, A. (1996) Vermicomposting of coffee pulp using the earthwormEisenia fetida: effects on C and N contents and the availability of nutrients. Biology and Fertility of Soils. 22: 162-166.

Romano, P. V.; Krogmann U.; Westendorf, M. L.; Strom, P.F. (2006). Small-scale composting of horse manure mixed with wood shavings. Compost Science and Utilization, 14(2): 132- 141

Solomon, S.; Qin, D.; Manning, M.; Chen, Z.; Marquis, M.; Averyt, K. B.; Tignor, M.; Miller, H. L. (Hrsg.) (2007): Climate Change 2007: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change., Table 2.14.

Umweltbundesamt 2017:
http://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas#textpart-1

Tiermist wird zu wertvollem Bodenverbesserer umgewandelt

Wertvoller Tiermist unserer Gnadenhoftiere wird zu Pflanzendünger verarbeitet – Frei von Chemie!!
Auf dem Gnadenhof Brödel in Melle (Nds.) (http://gnadenhof-melle.de) entsteht aus tierischen Abfällen ein wertvolles Produkt für den Gartenbau.
Und alles ganz natürlich, ohne Einsatz von Chemie 🙂 Geht doch! Ab nächstem Frühjahr (2018) vermutlich auch käuflich zu erwerben. Die Einnahmen werden dann komplett in den Gnadenhof fließen.

Eine Kindergeschichte über den Regenwurm

Download der Geschichte: http://wurmpalast.de/DieWubbjesunddieRegenwuermer.pdf

Die Wubbjes lebten schon lange mit den Tieren gemeinsam im Wubbjeland. Vieles wussten sie natürlich über sich. Die Wubbjes waren sozusagen echte Experten, was das Leben der Tiere anging. Eines Tages aber fragte Mungo „Du Flocke, was machen eigentlich die Regenwürmer so den ganzen Tag? Ich sehe Rodolfo ja manchmal in der Erde wühlen, weiß aber gar nicht so genau, was er da so vorhat?“
Auch Flocke fuhr sich nachdenklich mit der Hand durch ihre knallgelben Haare und kaute auf einer roten Strähne herum. „Hm…gute Frage“, sagte sie. „Er sorgt für eine Bodenverbesserung, dadurch, dass er den Boden so auflockert. Es kommt somit viel Luft in die Erde und das ist gut für die Pflanzen. Wenn ich ehrlich bin, viel mehr weiß ich darüber auch nicht.“ Auch Knolle nickte stutzig: „Stimmt. Geht mir ähnlich. Warum fragen wir ihn nicht gleich einfach mal?“ Mungo, ausgestattet mit einer feuerroten Haarpracht, holte noch schnell seine Schwester Lolly aus ihrem Kinderzimmer in der großen Spechtwohnung. Dann fuhren sie auf ihren klapprigen Rollern gemeinsam mit Flocke und Knolle auf einen Acker in der Nachbarschaft. Regenwurm Rodolfo war dort mit einigen Kollegen gerade bei der Arbeit.

Verarbeitung von toten Pflanzen

Rodolfo verlegte gerade einige kleine Röhren aus getrockneten Schilfstängeln, scheinbar um den Boden zu entwässern. Es war gerade Sommer im Wubbjeland und abends gab es oft warme Gewitterregen. „Du Rodolfo“, rief Mungo. „Sag mal, was macht ihr Regenwürmer eigentlich so den ganzen Tag?“ Rodolfo schmunzelte und freute sich, dass er einmal über seine Tätigkeiten reden konnte. „Oh…das ist ganz viel. Wenn Ihr etwas Zeit habt, dann erzähle ich es Euch gerne.“ „Jaaaaa“, riefen Lolly und Mungo aus einem Munde.

Rodolfo nahm seinen Arbeitshut vom Kopf, wischte sich erst einmal den Schweiß ab und schenkte den Wubbjes fröhlich ein Glas süßer Limonade ein. „Wir Regenwürmer machen sehr viel; viel mehr als manche denken. Genau genommen sind meine Kumpels und ich ja keine Regenwürmer, wir sind streng genommen sogenannte Mistwürmer. Oftmals sind wir ja auf Mist- oder Komposthaufen aktiv, wir sind den Regenwürmern aber sehr ähnlich.“
Mungo nickte: „Ah, und was macht Ihr da so?“

Rodolfo gab den vier Wubbjes einige Sicherheitshelme und Taschenlampen. „Kommt mal mit. Wir machen gleich eine Reise unter die Erde. Ihr werdet staunen.“

Bildquelle: Markus Nimtz

Gemeinsam stapften sie zu einem dunklen Eingang, welcher in den Boden führte. Zahlreiche Schläuche und Kabel ragten dort hinein. Auch stand dort eine kleine Dampflokomotive. Auf Eisenbahnschienen war es scheinbar möglich, mit dem klappringen Gefährt in den dunklen Boden hinein zu fahren. An die Lokomotive waren einige kleine Lastwaggons angekoppelt.
„In der Regel leben und arbeiten wir ja dort, wo noch verbleibendes Pflanzenmaterial vorhanden ist.“ Rodolfo zeigte auf diverse Pflanzenstängel und Pferdemist, welcher auf dem Feld herumlag. „Das Zeug wird dann zunächst einmal von ganz, ganz kleinen Helfern angefressen. Zum Beispiel helfen uns Kuno und Knut die Kellerasseln dabei. Sie nagen an den Resten und zerkleinern sie. Auch ganz winzige Fadenwürmer unterstützen uns. Wichtig ist, dass die Stoffe immer schön feucht sind. Und viele Kleinstlebewesen, wie zum Beispiel winzige Pilze und Bakterien sind auch aktiv und helfen uns. Die meisten dieser Lebewesen kennt jedoch kaum einer. Sie leben ja fast nur im Boden und sie sind kaum zu erkennen. Man braucht mindestens eine Lupe dazu. Steigt mal ein, ich zeige Euch das mal“.
Gemeinsam stiegen sie auf eine kleine Plattform hinter der Dampflok. Leise tuckernd fuhren sie nun gemeinsam in das Dunkle hinein. Ein bisschen unheimlich war das ja schon. Welches Geheimnis würde sie dort wohl erwarten? Ein bisschen Licht gab es in dem Tunnel. An der Lokomotive waren einige Scheinwerfer angebracht. Zudem gab es in dem Gang, der mit leichter Neigung nach unten führte, auch einige Lampen. So konnten sie im schummerigen Licht erkennen, dass an der Decke und den Seiten des Ganges viele Pflanzenwurzeln nach unten zeigten. Die Wubbjes staunten.

Lolly fragte: „Pilze? Flocke wird doch im Schlaf oft ein Steinpilz. Fressen Steinpilze dann auch die Reste?“ Rodolfo lachte. „Ja, Steinpilze fressen die Reste bestimmt manchmal auch mit ihren Wurzeln. Aber ich meine so winzig kleine Pilze, die man mit bloßem Auge nicht sieht. Weißt Du: In einem kleinen Bodenanteil leben Millionen und Abermillionen von diesen ganz kleinen Lebewesen.“ Lolly nickte, ihr Vater hatte ihr darüber einmal aus einem Buch vorgelesen. „Und ohne diese Helferlein? Also ohne Knut und Kuno und die ganzen noch viel kleineren Winzlinge könntet Ihr das grüne Material gar nicht zu Euch nehmen?“ „Stimmt“, sagte Rodolfo. „Wir sind auf unsere Freunde angewiesen.“ Mit einem lauten Zischen stoppte die Eisenbahn in einer Kurve. „Alle mal aussteigen!“, rief Rodolfo.
Vorsichtig stiegen die Wubbjes von der Plattform und schalteten ihre kleinen Taschenlampen an. Und tatsächlich, in einem Nebengang sahen sie in fahlem Licht eine ganze Menge kleine Kellerasseln, welche gerade zufrieden an einem alten Maiskolben knabberten. „Moin Moin“, rief Rodolfo. „Alles ok, Jungs? Kommt Ihr voran?“. „Logo!“, riefen die kleinen Kellerasseln mit vollem Mund zurück. Rodolfo holte eine riesengroße Lupe aus einem Schrank hervor und leuchte mit einem Strahler auf eine Ecke in dem schummerigen Gang. „Schaut mal her“, sagte er. „Das habt Ihr noch nicht gesehen.“ Und tatsächlich, bei genauem Hinsehen durch die Lupe konnten die Wubbjes in dem hellen Licht ganz winzig kleine Dinger erkennen. So klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht entdecken würde. Sie futterten gerade an einem alten Stück Pferdemist herum. „Ihr werdet es vielleicht nicht glauben, aber so etwas schmeckt denen, und uns auch.“, sagte er stolz. „Wir fressen aber nicht nur Grünzeug oder Tiermist, wir fressen auch altes, durchweichtes Papier und sogar Pappe. Das Schmeckt richtig gut, lecker!“ Rodolfo rollte verträumt mit den Augen bevor er sich mit seiner Zunge über den Mund fuhr. „Ihr futtert Pappe?“, fragten Mungo und Lolly ganz verblüfft.

Licht finden wir nicht so gut

„Oh ja, so etwas lieben wir. In manchen Gärten werfen die Menschen, die das wissen, sogar Pappe auf den Kompost. Wenn es regnet, dann ist es gerade im Sommer darunter schön kühl und die Stoffe in der Pappe sind für uns wichtige Nahrung. Außerdem ist es darunter dunkel, ihr wisst ja, Licht mögen wir nicht besonders. Zuviel Licht kann uns sogar krank machen und wir können austrocken“, sagte er, um danach einen Fingerhut Wasser über seinem Kopf auszuleeren. „Das heißt an der Erdoberfläche fühlt ihr Euch gar nicht so wohl?“, fragte Knolle.
„Genau! Wenn es sehr bewölkt ist, so wie heute, dann geht es noch. Aber auch zu viel Wasser ist nicht gut. Wenn es sehr viel regnet, dann verlassen wir den Boden manchmal, weil wir dann Probleme mit unserer Atmung bekommen. Hier ist ja dann alles nass, ein richtiger Fluss manchmal. Steigt mal wieder ein, ich zeige Euch noch was…“
Gemeinsam tuckerten sie mit der kleinen Eisenbahn weiter den dunklen Gang hinunter. Es wurde tiefer und tiefer und es roch etwas modrig nach altem, vergammelten Holz.

„Stimmt das eigentlich, wenn man Euch zerteilt, dass dann zwei Regenwürmer wachsen?“ fragte Mungo etwas forsch. „Oh nein, ich weiß, dass das in vielen Büchern steht. Aber es ist falsch“, Rodolfo wirkte etwas erschreckt. “Ein Teil wird davon auf jeden Fall sterben. Manchmal müssen wir leider tatsächlich ein Stück abtrennen, wenn zum Beispiel ein unvorsichtiger Mensch uns mit seinem Fahrrad anfährt oder mit einem Spaten zerteilt, das tut mächtig weh“. Er verzog das Gesicht zu einem schaurigen Gesichtsausdruck. „Um überleben zu können spalten wir einen Teil dann ab. Dieser Teil überlebt dann nicht. Aber der andere Teil von uns hat dann noch eine gute Chance“, sagte er stolz. „Wir sind nämlich echte Kämpfer, wisst Ihr? Wenn wir gute Lebensbedingungen haben, also ausreichend Feuchtigkeit, eine angenehme Temperatur zwischen 10 und 25 Grad und genügend Futter, dann vermehren wir uns rasend schnell. Aus einem von uns werden dann innerhalb eines Jahres richtig viele. Wir legen ja kleine Kokons ab, wisst ihr? Und da schlüpfen unsere Nachkommen zahlreich innerhalb kurzer Zeit. Dann muss der Kompost aber gut abgedeckt sein, dass es auch dunkel ist. Und wir müssen die Chance haben, im Winter in tiefere Bodenschichten zu fliehen, um nicht zu erfrieren. Naja, und wenn der Kompost nach unten mit Draht abgesichert ist, dann können Wühlmäuse und Maulwürfe auch nicht vergessen, dass sie uns ja nicht fressen sollen.“
In der Tat gab es ein Gesetz im Wubbjeland, dass vor vielen Jahren einmal verabschiedet wurde. Es besagte, dass alle, die in diesem Land leben, niemanden anders fressen dürfen. Die Eule frisst keine Mäuse. Die Mäuse fressen keine Schnecken oder Würmer und die Spinnen oder Asseln werden nicht von den Igeln aufgefuttert. Wespen und Hornissen mampfen keine Käfer oder Grashüpfer, ebenso wenig wie die Vögel dieses tun. Wer das nicht befolgt der muss das Wubbjeland verlassen. Also hielten sich alle daran, denn das Leben auf diesem Fleckchen Erde war wundervoll.

Wurmhumus und Wurmkompost

Rodolfo erzählte weiter: „Ich lebe gerne in dem großen Kompost am Dorfrand bei den Menschen, da wo die Kirche steht und der Pfarrer Elvis lebt. Dort finden wir vergammelte Erdbeeren, Melone, altes Brot, Kaffeeprütt, Gurkenreste und auch alte Pappe.“ „Ah“, nickte Flocke, „und was passiert dann damit?“.
„Ja, also da wird es wirklich interessant für die Natur“, sagte Rodolfo stolz. „Wir machen den besten Boden, den man sich vorstellen kann. Wir fangen an, wenn Knut und Kuno und all ihre Kollegen das Material ordentlich zerkleinert haben. Wir haben einen enormen Hunger. Weil wir so viel in der Erde arbeiten, essen wir bis zur Hälfte unseres Körpergewichtes an einem Tag.“
„Ui“, staunte Lolly. „Das wäre ja fast so, als wenn ich fünf Bucheckernpizzen, vier große Portionen Erdbeerquark mit Käse und zwei Teller Suppe mit Fenchelsamen und Brotkrümeln essen würde. Nein, das wäre sogar noch mehr“, rechnete sie. „Ja“, lachte Rodolfo. “Gut essen können wir wirklich. Und das, was wir verdauen, kommt dann in den Boden. Und wir durchwühlen und durchpflügen die erste Schicht des Bodens immer wieder. Ein Stückchen Salat verarbeiten wir manchmal vier- bis fünf mal. Es bleiben dann nur noch Nährstoffe übrig, die dann in den Boden gelangen und diesen für Pflanzen wertvoll machen.“
Die Eisenbahn hielt. Rodolfo führte die kleine Truppe zu einem großen Tisch, an dem viele Mistwürmer gerade munter am Essen waren. Sie kauten auf matschigen Blättern und Stängeln herum. Naja, richtig lecker sah das nun wirklich nicht aus, aber den Mistwürmern schien es zu schmecken.
„Was sind denn Nährstoffe?“, fragte Mungo. Knolle antwortete: „Blumen und Bäume und alle Pflanzen benötigen Nährstoffe um gut und gesund zu wachsen. Diese Nährstoffe haben so seltsame Namen wie Kalium, Phosphor, Stickstoff oder Magnesium. Aber das braucht ihr jetzt noch nicht zu wissen, das lernt ihr später in der Schule.“ Mungo staunte: „Und ihr produziert diese Nährstoffe?“ “Ja, im Prinzip schon. Naja, diese Nährstoffe sind schon in unserem Essen enthalten, zum Beispiel in Blättern, alten Tomaten oder Kaffeeresten. Wir sorgen dann dafür, dass diese Stoffe wieder in den Boden gelangen. Die Wurzeln der Pflanzen nehmen diese dann auf.“
„Toll“, staunte Lolly. „Wir machen aber noch viel mehr“, fuhr Rodolfo fort. „Das, was wir an den Boden abgeben, unser Wurmhumus, ist Medizin im Boden. Unser Wurmhumus hilft den Pflanzen gesund und stabil zu bleiben. Er heilt sogar Krankheiten. Das ist so, als ob du eine Tasse einen Tee mit Salbei, Minze und Kümmel gegen Husten trinkst.“
Sie fuhren wieder ein Stückchen mit der Eisenbahn und hielten an einem Platz, an dem gut ersichtlich Wurzeln von allen Seiten in den Gang ragten. Rund um die Wurzeln waren kleine Mistwürmer in weißen Kitteln gerade dabei, diese mit einer dunklen Paste zu bestreichen. Sie gingen sehr vorsichtig und sorgfältig dabei vor.
„Hier seht ihr unser Ärzteteam. Vielleicht habt Ihr schon einmal Tomaten an Sträuchern gesehen, welche nach intensivem Regen etwas bräunlich wirken?“ Mungo nickte. „Das ist die Krankheit der Braunfäule. Hier haben wir einen solchen Fall. Der Tomate oben geht es nicht gut. Unser Mist kann aber helfen, die Pflanzen davon zu heilen. Wir Mistwürmer sind die Ärzte des Bodens, und damit auch der Pflanzen.“ Rodolfo holte einen kleinen Koffer heraus, mit einem roten Kreuz. „Wenn wir sehen, dass eine Pflanze welkt oder aber nicht genügend Früchte trägt, dann krabbeln wir dahin und verstreuen unseren Wurmhumus gezielt an den Wurzeln. Du kannst sicher sein, nach einigen Tagen geht es ihr wieder besser! „Toll“, raunte Mungo und war wirklich beeindruckt.
Von der Decke sahen die Wubbjes aus einigen Löchern fahles Tageslicht in den Tunnel scheinen. „Hier waren meine Jungs und haben kleine Gänge gebuddelt. Das ist gut für die Durchlüftung und toll für die Pflanzenwurzeln. Und unser Wurmhumus kann sogar Wasser festhalten, auch das ist wichtig.“ „Wasser festhalten? Häh? Wofür denn?“, fragte Lolly. „Naja, gerade jetzt im Sommer kommt es oft zu heftigen Regenfällen, Starkregen nennen wir sie. Wenn der Boden keinen Wurmhumus enthält, dann kann es sein, dass dieser einfach weggeschwemmt wird. Und wo sollen die Pflanzen dann wachsen? Oder es kann sein, dass das Wasser ganz schnell im Boden verschwindet und dabei ganz viele Nährstoffe mit sich reißt. Diese fehlen dann den Blumen und Bäumen. Unser Wurmhumus aber speichert das Wasser. Das ist so, als ob Du einen Schwamm ins Waschbecken legst, weisst Du?“
„Das heißt also, Ihr sorgt nicht nur für eine gute Nährstoffversorgung und dafür, dass Medizin im Boden ist? Ihr kümmert Euch auch darum, dass der Boden Wasser speichern kann und so für die Pflanzen verbessert wird?“, fragte Flocke. „Exakt. Genau das ist es. Ohne uns würde es dem Boden schlecht gehen.“
„Gibt es denn etwas, was Ihr gar nicht mögt?“ „Ja, saure Früchte, wie zum Beispiel Orangen, Ananas oder Zitronen. Auch gespritztes Obst ist giftig für uns. Davon verderben wir uns ganz massiv den Magen. Nicht gut für uns ist auch Chemie. Ich habe einmal in einem Garten gearbeitet, in welchem ein Mensch ganz viel chemisches Zeugs gespritzt hatte. Ich weiß nicht genau, was das war. Ich glaube, er wollte keine Gänseblümchen in seinem Garten haben und keine Maulwürfe. Ich kann das nicht verstehen. An den kleinen Hügeln hat er immer ganz viel gesprüht. Der Boden hat so scheußlich geschmeckt, das war fürchterlich. Ganz viele der kleinen Bakterien und Mikrolebewesen, welche wir doch als Partner brauchen, hatten sich schon aus dem Staub gemacht. Wir sind dann alle zum Nachbarn gekrochen, da war es besser. „Keine Chemie – Mit uns nicht und nie!!“ ist seitdem unser Schlachtruf.“

„Arbeitet Ihr denn nur in Misthaufen oder auch sonst in Gartenerde?“, wollte Mungo wissen, als sie mit der kleinen Eisenbahn weiter fuhren. „Misthaufen lieben wir, weil da ordentlich Futter herumliegt. Es gibt Menschen, welche extra Wurmkokons oder Würmer in ihren Komposthaufen einstreuen. Das gibt immer ein Hallo. Und Essen ist in der Regel genug da. Winzige Würmchen schlüpfen und wir fressen im Frühling und Sommer den ganzen Misthaufen kurz und klein. Es bleibt dann wirklich nur toller Wurmhumus übrig, den die Menschen dann an die Pflanzen verteilen. Die Pflanzen lecken sich dann schon manchmal hungrig die Münder. Vor einigen Jahren wurde ich vom Pfarrer Elvis rund um seine Karottensaat ausgesetzt. Glücklicherweise hatte er den Boden oberhalb gemulcht. Wir nennen das so, wenn zum Beispiel Rasenschnitt oder auch alte Blätter dort ausgelegt werden. Das war toll, wir hatten dadurch jede Menge zu fressen und haben uns rührend um die Möhren gekümmert. Elvis war vielleicht glücklich über solche Prachtexemplare.“

Plötzlich sahen sie große, dicke runde kugelartige Gebilde aus den Wänden hervorschauen. Eine Kolonne Mistwürmer schippte Wurmhumus auf diese. „Das sind Kartoffeln“, sagte Rodolfo.“ Eine der besten Bodenpflanzen überhaupt. Und mit Wurmhumus werden diese stark und kräftig.

Lolly und Mungo waren baff. Auch Knolle und Flocke waren beeindruckt als sie sich wieder dem Ausgang näherten. „Oh ha, ich hätte nie gedacht, dass ihr so eine wichtige Funktion ausübt. Das habe ich etwas unterschätzt“, sagte Knolle. „Arbeitet ihr denn auch im Wald?“ „Wir als Mistwürmer eigentlich nicht. Der Boden ist uns da zu sauer. Eichenlaub schmeckt sehr bitter und Tannennadeln schmecken überhaupt nicht. Das ist nichts für uns. Im Wald wird das von anderen Lebewesen übernommen. Wir sind eher für Gärten und Wiesen oder auch Äcker zuständig. Am tollsten ist es aber in einem gemütlichen Komposthaufen.“

Lolly und Mungo hatten heute wieder etwas gelernt. „Danke, Rodolfo“, riefen sie aus einem Mund. Ihr Freund der Mistwurm war also ein echter Bodendoktor und dadurch hilfreich für Pflanzen und Tiere im Wubbjeland gleichermaßen. Sie waren stolz, dass sie ihn kannten, schwangen sich auf ihre Roller und rasten den Acker hinunter, direkt in Richtung ihrer kleinen Spechtbehausung. Das, was sie heute gelernt hatten, würden sie morgen in der Schule erzählen. Da würden die anderen Kinder aber staunen.

Regenwürmer züchen, Errichtung einer Wurmfarm


Bildquelle: Markus Nimtz

Wichtige Informationen für die Errichtung einer Wurmfarm (auch ein paar Antworten für Erwachsene):

Als besonders gutes Wurmfutter eignen sich:
• Teebeutel
• Kaffeeprütt
• Bananenschalen, gemalene Eierschalen (enthält Kalk, sehr wichtig!)
• Paprika (nicht zu scharf), Erdbeeren, Erdbeerverschnitt, Melonenreste; generell ungespritzte Obst- und Gemüsereste
• Brotreste
• Ab und zu etwas Kalk (durch die Verrottung des Materials wird der Boden ansonsten sauer), ggf. etwas Mineraldünger
• Kohlenstoffhaltiges Material (Zeitungspapier (ohne Farbstoffe), Pappe, Klorollen)
• Für draußen: Pferde-, Kuh-, Schaf-, Schweine-, Ziegen- oder Kaninchenmist (dieser sollte, bevor die Würmer ihn umwandeln dürfen, mindestens eine Woche auf einer Steinplatte abgelagert werden. Das enthaltene Ammoniak kann die Würmer ansonsten töten.)
• Das Futter sollte immer nur an einer Seite der Wurmkiste ausgelegt werden. Für den Fall, dass dieses nämlich nicht so gut geeignet ist, können die Würmer dann fliehen.

Absolut tabu sind:
• Säurehaltiges Futter wie Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen), Ananas)
• Gespritztes Obst und Gemüse
• Knoblauch
• Scharfe und stark gesalzene Essensreste
• Fleisch (lockt Ratten an)
• Geflügelmist (zu sauer)

Du wirst unter Umständen feststellen, dass Deine Würmer deutlich mehr fressen, als Du an Biomüll produzierst. Frage Freunde oder Bekannte oder ein Restaurant in Deiner Nähe. Auch andere freuen sich, wenn sie mit ihrem Biomüll „Gutes tun“ können.
Wie kann ich mit Wurmhumus meinen Boden verbessern?
Wenn der fertige Humus geerntet wurde (in einer Wurmkiste nach etwa 3-4 Monaten), dann streust Du ihn in einigen Zentimeter-Dicke auf den aufzuwertenden Bodens ein (ca. 2-3 cm).

Film auf YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=dp1aik2_fBc (von dem Autor dieses Buches und seinem Huhn Waltraud)

© Kai Behncke
http://umweltschutz-und-lebenshilfe.de

WWF-Bericht über den Regenwurm

Ein sehr interessanter Bericht wurde kürzlich vom WWF verfasst.

Der WWF-Bericht über den Regenwurmsteht steht hier bereit. In dem publiziertem Report wird darauf hingewiesen, dass Regenwürmer (wozu auch die Mistwürmer gehören) Ernten verbessern und Hochwasser abschwächen können.
Allerdings sei der Regenwurm stark gefährdet. In Deutschland existieren 46 Arten, von diesen jedoch ist etwa die Hälfte vom Aussterben bedroht.
Bekannterweise gehört Regenwurmkot (sogenannter Wurmhumus) zu den besten Düngeformen überhaupt. Er entsteht klassisch natürlich und fügt sich somit problemfrei in seine (Boden)-Umgebung ein.logo_wurm_12

Hoher Schaden durch die Landwirtschaft

Einmal mehr ist es leider die Landwirtschaft, welche maßgeblich am Rückgang der Regenwurmpopulationen beteiligt ist. Monokulturen, Bodenbearbeitung mit „schweren Maschinen“ oder aber der Einsatz von Gülle-Ammoniak sind schädlich für Regenwürmer.
Während auf Öko-Äckern schon einmal 450 Würmer pro m² gezählt werden, so liegt der Bestand bei konventionellen Böden teilweise nur bei etwa 30 Exemplaren pro m². Dieses führt dazu, dass der Boden schlecht durchlüftet und weniger Wasser aufgenommen wird (Gefahr der Bodenerosion). Zudem wird organisches Material schlechter verarbeitet, was sich wiederum in einer geringen Nährstoffverknappung ausdrückt [was wiederum zu einem erhöhten Düngemittelverbrauch führt].
„Guter Boden“ nimmt schon einmal 150 Liter Wasser pro m² und Stunde auf. „Schlechter Boden“ jedoch kann kaum etwas speichern. Überschwemmungen und Erosion können die Folgen sein.

Das Ziel muss es sein, eine bodenschonende, natürliche Landwirtschaft aufzubauen, humusschonend und nachhaltig. Und im eigenen Garten loslegen…denn dort kannst Du noch etwas verändern.

Herzlich willkommen auf Wurmpalast.de

Wurmpalast.de ist ein ehrenamtliches Umweltschutzprojekt und natürlich kostenlos.

Auf dieser Seite findest Du hilfreiche Informationen zur Umwandlung von Biomüll in hochwertigen Wurmhumus zur Bodenverbesserung. Schön wäre es doch, wenn auch Du mitmachst. Ziel ist es, in den Gemeinden der Republik eine signifikante Bodenverbesserung durch Mitarbeit der Bürger und Institutionen eine Plattform zu schaffen, auf welcher sich Humus-Ersteller und Bodenschützer austauschen können.

Du möchtest mitmachen, dann schaue am Besten einmal hier:

Fragen zur Wurmzucht

Häufige Fragen zur Wurmzucht und Bodenverbesserung durch Wurmhumus

Was fressen die Würmer denn so?


Als besonders gutes Wurmfutter eignen sich:

  • Teebeutel
  • Kaffeeprütt
  • Bananenschalen, gemalene Eierschalen
  • Paprika (nicht zu scharf), Erdbeeren, Erdbeerverschnitt
  • Brotreste
  • Ab und zu etwas Kalk (durch die Verrottung des Materials wird der Boden ansonsten sauer), ggf. etwas Mineraldünger
  • Kohlenstoffhaltiges Material (Zeitungspapier (ohne Farbstoffe), Pappe, Klorollen)
  • Pferde-, Kuh- , Schaf-, Ziegen- oder Kaninchenmist

Absolut tabu sind:

  • Säurehaltiges Futter wie Zitrusfrüchte
  • Knoblauch
  • Scharfe und stark gesalzene Essensreste
  • Geflügelmist (zu sauer)

Du wirst unter Umständen feststellen, dass Deine Würmer deutlich mehr fressen, als Du an Biomüll produzierst. Frage Freunde oder Bekannte oder ein Restaurant in Deiner Nähe. Auch andere freuen sich, wenn sie mit ihrem Biomüll „Gutes tun“ können.

Wie kann ich mit Wurmhumus meinen Boden verbessern?

Wenn der fertige Humus geernte wurde, dann streust Du ihn in einigen Zentimeter-Dicke auf den aufzuwertenden Bodens ein. Du solltest darauf achten, dass der Anteil des Wurmhumus am Gesamtboden in der relevanten Bodenschicht bei 10 – 20 % (keinesfalls höher) liegt.

Filme

Wurmfarm im Außengelände zur Humusproduktion

Wurmfarm im Außengelände

Wurmkiste zur Humusproduktion

Wurmkiste

Automatisierte Ernte von Wurmhumus

Wurmkiste

Funktion und Nutzen einer Wurmkiste/-komposter bzw. Wurmfarm:

Wurmkiste und Wurmhumus

Ehrenamtlich erstellt von: Ingo Wilkenshoff und http://losangeles-media.com

Ist eine Wurmzucht teuer?

Im Prinzip nicht, allerdings kommt es drauf an, was Du vorhast…
Prinzipiell kannst Du Würmer natürlich immer auch selber sammeln (z.B. innerhalb eines Misthaufens oder aber während eines Regens die Seite eines Pappkartons auf den Boden legen, Du wirst überrascht sein, was sich mit der Zeit darunter so alles ansammelt…).
Aufgrund der Planbarkeit empfehle ich jedoch einen Kauf.

  • Ein Kilo ausgewachsene „Dendrobena Veneta (ca. 600-650 Stück) kosten in der Regel 30-35 Euro (reicht in etwa für einen Wurmkomposter oder zwei Wurmkisten)
  • 1000 Stück „Eisenia foetida“ liegen in etwa bei 25 Euro (reicht in etwa für einen Wurmkomposter oder zwei Wurmkisten)
  • 1000 Regenwurmkokons kosten etwa 15 Euo
  • Eine Kunststoff-Kiste (Wurmkiste) liegt in den Maßen 40 cm * 30 cm * 25 cm Höhe bei etwa 5-6 Euro
  • Extra angefertigte Wurmkomposter für den Innenbereich liegen etwa zwischen 70 – 180 Euro
  • Für das Anlegen einer Wurmfarm (Außenbereich) wie hier beschrieben fallen bei einer Länge von 6 * 2 Metern etwa 300 Euro Materialkosten an (Draht, Holz, Schrauben). Zu empfehlen ist zusätzlich eine Investition von 35 Euro Würmer für 2 m² (oder 1000 Kokons) [und dann auf die Fortpflanzung warten]

Brauche ich viel Platz?

Nein. Du benötigst nicht mal einen Garten. Auf dieser Seite finden sich Informationen über eine hygienische Wurmzucht in den eigenen vier Wänden.
Prinzipiell kann Dir ein Garten natürlich die Möglichkeit geben, eine „Wurmzucht im Freigehege“ zu betreiben. Ein Schuppen oder eine Garage stellen eine gute Basis dar, um z.B. verschiedene Wurmkisten zu platzieren.

Wieviel fressen denn Würmer am Tag und wie lange dauert es, bis Wurmhumus entsteht?

Der Mist- oder Kompostwurm (Eisenia foetida), sein enger Verwandter Eisenia andrei bzw. der Riesenrotwurm (auch „European Nightcrawler“ genannt) (Eisenia hortensis oder auch als Dendrobena Veneta bekannt) können unter günstigen Lebensbedingungen pro Tag etwa die Menge ihres Körpergewichtes zu Wurmhumus umwandeln. (also bis zu etwa einem Gramm). Da die Würmer in der Regel natürlich eine unterschiedliche Größe und Gewicht aufweisen solltest Du von folgender Faustregel ausgehen: 500 Gramm Würmer (etwa 1000 Stück „Eisenia foetida“) fressen ca. 100 g Abfall pro Tag, das entspricht (grob geschätzt) etwa 90 Gramm Wurmhumus/Tag. Anders formuliert: 1000 Würmer sind in der Lage im Jahr etwa 30 Kilogramm Wurmhumus zu produzieren.

Wie schnell vermehren sich die Zucht-Würmer?

Würmer passen sich in ihrer Population dem Futterangebot an. Wenn Du „zu wenig“ fütterst, dann sinkt die Population mit der Zeit, eine Vermehrung ist erst bei einem größeren Futter-Angebot zu erwarten.
Würmer legen kleine zitronenförmige Kokons ab (durchschnittlich etwa zwei bis drei im Monat). In der Regel ist ca. mit 3 überlebenden Würmern pro Kokon zu rechnen, welche nach etwa 4 Wochen schlüpfen. Ein geschlüpfter Wurm benötigt etwa 2,5 Monate bis er ausgewachsen ist. Unter günstigen Bedingungen verdoppelt sich die Wurmpopulation etwa alle 2-3 Monate (Kloppert 2013).

Wie sehen günstige Lebensbedingungen für Würmer aus?

Die Temperatur sollte zwischen 15 und 25° aufweisen. Dauerhafte Temperaturen unter 0° C führen ohne entsprechende Schutzmaßnahmen zum Tode der Würmer; ähnlich ist es bei dauerhaften Temperaturen > 30° C.
Das Substrat, in welchem sich Deine Würmer aufhalten, sollte einen pH-Wert bei 7 aufweisen. Verkompostierung von Biomüll führt zu einer langsamen Versauerung des Bodens. Daher ist es sinnvoll ab und ab etwas Kalk hinzu zugeben.

Mit wieviel Arbei muss ich rechnen?

Abhängig ist das natürlich davon, wie viele Kisten oder Außenfarmen Du betreibst. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass für 30 Wurmkisten und eine 6*2-Meter Außenfarm etwa 1,5 Stunden zu investieren sind (Feuchtigkeit des Bodensubstrates prüfen, ab und zu den Boden in den Kisten umgraben, Bioabfall füttern, PH-Wert messen und ab einem Wert von eta 6,5 etwas kalken).

Literatur:

Kloppert, S. (2013): „How to start a profitable worm business on a shoestring budget“. Create Space Verlag

Das Projekt

Über Wurmpalast.de

Dieses Projekt wurde in Melle im Osnabrücker Land ins Leben gerufen, hat aber den Anspruch einer bundesweiten Verbreitung. Die Plattform Wurmpalast.de wird ehrenamtlich geführt und bietet seinen Nutzern einen kostenlosen Service an.
Vereinfacht gesagt: Das Ziel des Projektes ist es, durch Bioabfallverwertung (als Regenwurmfutter) einen aktiv ökologischen Bodendünger zugewinnen, welcher signifikant und nachhaltig zu einer Bodenverbesserung beitragen soll. Mittels dieses Projektes soll auf diese einfache Möglichkeit der Bodenaufwertung hingewiesen und Bürger/Institutionen/Verbände etc. animiert werden, sich in diesem Sinne für den Boden- und Umweltschutz zu engagieren.

Grundsätzlich gilt: Hervorragende Naturschutzprojekte werden von Forschungseinrichtungen, Institutionen, Organisationen oder (ehrenamtlichen) Vereinen initiiert. Wünschwenswert wäre es jedoch, wenn sich jeder einzelne Bürger noch aktiver beteiligen würde. Dieses ist ganz einfach und funktioniert auch fernab einer Mitgliedschaft in Vereinen oder Verbänden ganz ausgezeichnet. Dieses Projekt soll nun eine Möglichkeit bieten, sich individuell auf einfache Art und Weise produktiv im Sinne des Bodenschutzes/Umweltschutzes bzw. der Biomüllverwertung einzubringen.

Zu viel Biomüll


Nach einer aktuellen Studie des WWF werden allein in Deutschland pro Jahr 18,4 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen.
Anders formuliert: Pro Sekunde landen in Deutschland 313 Kilo Lebensmittel im Müll. Geschätzt wird aktuell, dass in vielen Industrienationen etwa 20% der produzierten Lebensmittel nicht verwertet werden. Jedes Kilogramm „umsonst produzierte“ Lebensmittel aber fördert Treibhausgasemissionen durch Düngung, Transport und Kühlung. Völlig unsinnig ist zudem die investierte Arbeit, die Nutzung oder Überbeanspruchung von Böden, das investierte Potential, wenn die Lebensmittel letztlich nur für die Müllkippe produziert werden. Ethisch verantwortungslos ist die Überproduktion insbesondere unter Berücksichtigung dessen, dass in riesigen Krisenherden der Welt ein Mangel an Nahrung vorliegt. Insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass gemäß einer Studie der UN im Jahre 2100 eine Bevölkerungszahl zwischen 9,6 und 12 Milliarden Menschen auf dem Planeten Erde zu erwarten ist.

Weltweite Bodenverschlechterung


Erosion eines degradierten Bodens, Bildquelle:https://en.wikipedia.org/wiki/Soil_retrogression_and_degradation#/media/File:Wassererosion_Acker.jpg
Wassererosion eines degradierten BodensGleichzeitig degradieren weltweit Böden, das heißt: Vielerorts verschlechtert sich die Bodenqualität immens. Dieses kann soweit führen, dass eine Rückgewinnung bzw. Bewirtschaftung des Bodens nicht mehr möglich ist. Durch Bodendegradation tritt jährlich etwa ein Verlust von 24 Billionen Tonnen an Oberflächenboden auf, dies entspricht in etwa der Fläche der Schweiz.
Katastrophal ist dieses, da Boden als eine nicht erneuerbare Ressource zu verstehen ist.
Boden ist eines der wertvollsten Güter überhaupt. Als Wuchs- und Standort bildet stellt er die Grundlage für vielfältige Nahrungsketten dar und ist somit die Lebensgrundlage aller Lebewesen auf der Erde. Boden bindet große Mengen an CO2 und ist damit ein wichtiger klimastabilisierender Faktor. Darüber hinaus erfüllt Boden verschiedene Funktionen, die für das Überleben auf der Erde grundlegend wichtig oder zumindest von Bedeutung sind, z.B.: Trinkwasserversorgung, Bau- und Rohstofflager, Nahrungsmittelproduktion, natur- und kulturhistorische Archivfunktion, Naturerfahrung.
Hilfreiche Informationen zum Boden erfahren Sie zum Beispiel hier.

Ursachen der Bodendegradation sind z.B.:

  • Vernichtung der Vegetationsdecke durch Abholzung oder Überweidung
  • Anbau von Monokulturen
  • Unzureichende Zufuhr von organischem Dünger
  • Zu intensive Bewässerung mit minderwertigem Wasser
  • Zu intensiver Einsatz chemischer Düngemittel
  • Zerstörung der Bodenstruktur durch Maschinen, Nutztierbestände, Abtragung von Böden

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen nun hat das Jahr 2015 zum Internationalen Jahr des Bodens erklärt. Damit soll der Bedeutung der Böden für die Ernährungssicherung in der Welt und für den Wohlstand unserer Gesellschaft verdeutlicht werden.Jahr des Bodens

Was kann ich mit meinem Biomüll für eine Bodenverbesserung tun?


Dieses Projekt dient dazu, ein Bewusstsein zu schaffen, dass jeder Einzelne etwas für eine Biomüllreduzierung und eine Bodenverbesserung beitragen kann.
Optimalerweise kann im Sinne dieses Projektes gehandelt werden, wenn ein eigener (kleiner) Garten vorhanden ist (dieses ist aber nicht zwingend notwendig). Ein individuell nicht unwesentlicher Beitrag zur Lösung des Problems (Biomüllreduzierung und natürliche Humusgewinnung zur Bodenverbesserung) kann durch das Anlegen von „Regenwurmfarmen“ bzw. „Wurmkisten“ geleistet werden…. Das, was auf den ersten Eindruck vielleicht etwas „spinnert-ungewöhnlich“ klingt, ist alles andere als das.
Stell Dir vor: Der Biomüll, der sonst in Deiner Biotonne landet, wird einfach von Dir an Regenwürmer verfüttert, ohne großen Aufwand und weitgehend geruchsneutral. Die Würmer danken es Dir, indem sie wunderbaren Wurmhumus produzieren. Du benötigst keinen (chemischen) Dünger mehr für Deinen Garten, sparst dadurch Geld und leistest einen signifikanten Beitrag zur Bodenverbesserung, ohne große Mühe. Du brauchst lediglich den produzierten Wurmhumus in die (etwa) ersten zwanzig Zentimeter Deines Bodens (oder den Boden eines Freundes, Familienmitgliedes etc.) einarbeiten. Du kannst den Wurmhumus für eine gute Obst- und Gemüseernte nutzen, verschenken oder auch verkaufen. Der Garten, der Boden und seine Lebewesen (und evtl. Dein Portemonnaie) freuen sich. 🙂

Mitarbeit der Kommunen

Zwar ist es ausdrückliches Ziel dieses Projektes, Einzelpersonen, abseits von Vereinen oder Verbänden, zu motivieren, jedoch macht es zweifelsfrei Sinn, auch vorhandene (institutionelle) Strukturen zu nutzen. In diesem Sinne soll intensiv mit kommunal-öffentlichen Trägern (z.B. mit Umweltämtern und Umweltbehörden) zusammengearbeitet werden, um Informationen dieses Projektes an Bürger weiterzuleiten.

In diesem Sinne werden sämtliche Gemeinden in Deutschland nach und nach per Mail angeschrieben. Zudem ist eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund von unserer Seite aus in Planung. Darüber hinaus soll eine Zusammenarbeit auch mit verschiedenen Naturschutzverbänden initiiert werden. Auch eine intensive Pressearbeit ist geplant.

Wie kann ich aktiv werden?

Besuche z.B. zunächst die „Mitmachen“-Seite, dort findest Du weitere Informationen 🙂.

Boden und Regenwürmer

Der Nutzen von Regen- bzw. Kompostwürmern für eine Bodenverbesserung ist in der Wissenschaft bereits seit Anfang der 80er Jahre unstrittig nachgewiesen. Eine Fülle von Quellen belegen ihren positiven Effekt als Futtertier, Abfallverwerter bzw. außerordentlich günstigen Faktor für Bodenstruktur und Bodenqualität (vgl. dazu Bernier 1998, Dominguez & Edwards 2011a).

Es besteht kein Zweifel, dass man Regenwürmer in vielerlei Weise nutzbringend einsetzen oder verwerten kann und dass sie geeignet sind, nach den Bienen ein weiteres Nutztier unter den Wirbellosen zu werden.

Graff 2003, S.4

Regen- und Kompostwürmer ähneln sich in vielerlei Hinsicht. Wesentliche Unterschiede sind jedoch, dass sich Kompostwürmer deutlich leichter züchten lassen. Diese halten sich, anders als die Regenwürmer, in der Regel in den ersten zwanzig Zentimetern des Bodens auf.

Regen- und Kompostwürmer weisen eine ganz besondere Rolle bei der Bodenverbesserung auf. Der Boden und Regenwürmer stellen also eine wichtige Verbindung dar .Hinreichend nachgewiesen ist, dass durch Regenwürmer das Porenvolumen im Boden vergrößert wird. Dieses führt zu einer besseren Durchlüftung und einer erhöhten Wasserdurchlässigkeit, dadurch sinkt das Risiko einer Bodenerosion (beispielsweise durch Starkregen). Zudem wird die Aufnahmekapazität des Bodens erhöht. Gleichzeitig werden auch die Struktur des Bodens und die Nährstoffversorgung von Pflanzen gefördert. Organisch besetzter Oberboden sowie Minerale und Spurenelemente gelangen in tiefere Schichten und können dort von Pflanzenwurzeln aufgenommen werden. Zudem nutzen Wurzeln z.T. vorhandene Wurmröhren, um in tiefere Bodenschichten vorzudringen.

Boden und Wurmhumus

Wurmhumus, Bildquelle:https://en.wikipedia.org/wiki/Vermicompost#/media/File:Worm.casts.jpg
WurmhumusEin wesentlicher Nutzen, welchen Regen- und Kompostwürmer mit sich bringen, sind ihre Ausscheidungen, der sog. „Wurmhumus“. Unter „Wurmhumus“ werden an dieser Stelle die Ausscheidungen von Regenwürmern verstanden. Durch die Nahrungsaufnahme der Regenwürmer ist eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bedingt. Abgestorbenes organisches Material, welches bereits durch Mikroorganismen „bearbeitet“ wurde, wird gefressen. Zugleich wird dabei mineralisches Bodenmaterial aufgenommen. Während der Verdauungstätigkeit werden organische und mineralische Bestandteile gemischt (Sand und Nahrungsbrocken werden im Muskelmagen zerrieben) und schließlich als nährstoffhaltiger Kot ausgeschieden.

Die Durchmischung von Regenwurmkot und Bodenmaterial führt also zu stabilen Krümelaggregaten im Boden, welche die Nährstoffversorgung, Nährstoffspeicherung und Lockerung des Bodens fördern. Zusammen mit den Regenwurmgängen verbessern sie die Struktur des Bodenkörpers und die Fruchtbarkeit des Bodens nachhaltig. Es ist also eine Strukturverbesserung des Bodens, die mit einer erhöhten Lockerung, Durchmischung, Durchlüftung und Wasserspeicherfähigkeit einher geht, hervorzuheben (vgl. Dunger 1964, S. 79 ff.).
Ton-Humus-Komplex, Bildquelle:http://www.apfelschule.de/Boden1.jpg
Ton-Humus-Komplex Dieses resultiert aus ihren Ernährungsgewohnheiten sowie ihren Fähigkeiten, Röhren und Gänge im Boden zu graben. Durch die Verdauung großer Mengen organischen Materials, Bildung von sog. Ton-Humus-Komplexen und stabilen Bodenkrümeln innerhalb der Ausscheidungen sowie Förderung der mikrobiellen Aktivität besitzen Regenwürmer eine herausragende bodenbiologische Bedeutung.
Durch die Bindung der positiv geladenen Nährstoff-Ionen innerhalb der Ton-Humus-Verbindungen können die für die Pflanze wichtigen Stoffe nicht durch Regen in tiefere Bodenschichten ausgewaschen werden. Sie werden später von der Pflanze gelöst und aufgenommen. Dieses ist gleichzeitig ein Grundwasserschutz, da Nährstoffe nicht mehr so leicht in dieses hineinsickern können.

Je nach Boden-, Futter- und Wurmart gibt es unterschiedliche Analysen von Wurmhumus.
Bei Buch (1986) ist beispielsweise folgende Untersuchung zu finden:

Tab.1: Eigenschaften von Regenwurmkot und Ackererde aus verschiedenen Tiefen

Eigenschaften Regenwurmkot Boden (0-15 cm) Boden (20 – 40 cm)
Gesamt-Stickstoff (%) 0,35 0,25 0,081
Organischer Kohlenstoff (%) 5,2 3,23 1,1
C-N-Verhältnis 14,7 13,8 13,8
NO3-N (mg/l) (Stickstoff aus Nitrat) 22,0 4,7 1,7
P2O5 (mg/l) (Phosphorpentoxid) 150 20,8 8,3
Austauschbares Ca (mg/l) 2793 1993 481
Gesamt-Ca (%) 1,2 0,88 0,91
Gesamt-Mg (%) 0,54 0,51 0,55
Kalium (mg/l) 358 32 27
pH-Wert 7 6,4 5
Feuchtigkeit (%) 31,4 27,4 21,1

Berichtet wird zudem, dass Wurmhumus (produziert aus tierischen Abfallprodukten) oftmals mehr Mineralstoffe aufweist, als kommerzieller Pflanzendünger (Arancon & Edwards 2005). Orozco et. al. wiesen 1994 nach, dass „Kaffeeprütt“, durch den Mist- oder Kompostwurm zu Wurmhumus verarbeitet, einen deutlich höheren Phosphor-, Kalzium und Magnesiumgehalt als der Ausgangsboden aufweisen kann. Wurmhumus ist zudem reich an Enzymen und Mikroorganismen
(und damit auch an wachstumsfördernden Ausscheidungsstoffen von Mikroorganismen), Bakterien und Pilzen. Diese sind eminent wichtig für die Zersetzung biologischer Masse (Bruksch & Rimpau 2013). Es sind also nicht nur die Nähr- und Mineralstoffe innerhalb des Regenwurmhumus sondern insbesondere auch die überdurchschnittliche hohe Zahl von Kleinstlebewesen, welche Wurmhumus so wertvoll machen. Wurmhumus weist einen hohen Anteil an Humin- und Fulvosäuren auf sowie grosse Mengen des Bakteriums Pseudomonas fluorescens (hilfreich gegen verschiedene Pilzkrankheiten des Bodens).
Verglichen mit nicht durch Würmer verarbeitetem Boden ist der Wurmhumus etwa 1,3 bis 1,5 mal reicher an organischem Kohlenstoff und Stickstoff (vgl. Badhauria, Saxena 2010). Zudem kann Wurmhumus bei der Zucht eine beträchtliche Menge an Wurmkokons enthalten. Auch diese dienen einer besonderen Aufwertung des Bodens. Bekannt ist, dass mittlerweile verschiedene natürlich orientiere Gartenbaufirmen im Frühling eine große Menge an Wurmkokons in ihre Felder und Gewächshäuser einstreuen, um somit eine natürliche Bodenaufwertung zu fördern. So setzt beispielsweise die Westhof Bio Unternehmensgruppe Regenwurmkokons zur Bodenverbesserung ein (400.000 Stück werden zu Saisonbeginn „eingesät“).

Nachgewiesen wurde auch, dass schon geringe Mengen an Wurmhumus (bis etwa 10 % Bodenanteil) beträchtliche Wachstumsschübe mit sich bringen (Arancon & Edwards 2005). Als allgemeine Regel sollte Erde mit zehn bis zwanzig Prozent Wurmhumus angereichert werden. Du brauchst also nur Deinen „geernteten“ Wurmhumus nehmen und ihn (z.B.) in den Oberboden (in die ersten zwanzig Zentimeter) Deines Gartens einarbeiten. Hast Du selber keinen Garten, so freuen sich sicherlich Freunde oder Familienangehörige über Dein Geschenk. Auch ein Verkauf, beispielsweise über Ebay, kann Sinn machen. Direkt leistest Du damit einen kleinen aktiven Beitrag zu einer Bodenverbesserung. Züchtest Du allerdings eine Pflanze in purem Wurmhumus bzw. hohen Mengen davon, so wird sie jedoch in ihren Wachstum gehemmt (Bruksch & Rimpau 2013).

Literatur:

Arancon N.Q. & Edwards, C.A. (2005): „Effects of vermicomposts on plant growth“.Paper presented during the International
Symposium Workshop on Vermi Technologies for Developing Countries (ISWVT 2005),Los Banos, Philippines November 16-18, 2005

Badauria T. & Saxena K. G. (2010): Role of Earthworms in Soil Fertility Maintenance through the Production of Biogenic Structures. In: Applied and Environmental Soil Science. S. 1-8

Bernier, N. 1998. Earthworm feeding activity and development of the humus profile. Biology & Fertility of Soils, 26, 215-223.

Bruksch, L. & Rimpau, J. (2013): Kompost aus der Kiste. Wurmkisten für den Hausgebrauch selber bauen. Stuttgart.

Buch, W. (1986): Der Regenwurm im Garten. Stuttgart

Dominguez, J. & Edwards, C.A. (2011a): „Relationships between Composting and Vermicomposting“ in:
Edwards, C.A., Arancon, N.Q. & Sherman, R. (Herausgeber) 2011. Vermiculture Technology: Earthworms, Organic Wastes and Environmental Management. Boca Raton. S. 11-25

Dominguez, J. & Edwards, C.A. (2011b): „Biology and Ecology of Earthworm Species Used for Vermicomposting“ in:
Edwards, C.A., Arancon, N.Q. & Sherman, R. (Herausgeber) 2011. Vermiculture Technology: Earthworms, Organic Wastes and Environmental Management. Boca Raton. S. 27-38

Dunger, W. (1964): Tiere im Boden. Wittenberg

Graff; W. (2003): „Regenwürmer“, in: Ökoportrait 35, NVN/BSH, Beilage zu Natur und Kosmos. München. S.1-4

Orozco, S.H., Cegarra, J., Trujillo, L.M. and Roig, A. (1996) Vermicomposting of coffee pulp using the earthwormEisenia fetida: effects on C and N contents and the availability of nutrients. Biology and Fertility of Soils. 22: 162-166.

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