Regenwurmprojekt erhält innogy Klimaschutzpreis 2017 der Stadt Melle

Am heutigen 7.11.2017 wurde die gUG Umweltschutz und Lebenshilfe
mit dem innogy Klimaschutzpreis der Stadt Melle (3. Platz) ausgezeichnet.

Artikel im Meller Kreisblatt

In dem Projekt geht es um eine Vermeidung von Nitraten im Grundwasser (durch Tiermist), die Reduzierung von Treibhausgasen (Methan, Lachgas) aus tierischen Abfallprodukten und die Entwicklung eines ökologischen Bodenverbesserers.

Der Projektbericht wird hier zum Download angeboten:
http://www.umweltschutz-und-lebenshilfe.de/bewerbung_klimaschutzpreis_2017.pdf

Und hier ein kleiner Film zu unserer Wurmfarm: https://www.youtube.com/watch?v=ZDlJDwzpY6Q

Regenwürmer und Wurmhumus sind bei uns übrigens auch käuflich zu erwerben, siehe z.B.
http://www.umweltschutz-und-lebenshilfe.de/regenwuermer-kaufen-natuerlichen-bodenverbesserer-pferdemist-erwerben/

Und so wächst Kresse auf unterschiedlichen Mistformen:
http://wurmpalast.de/wp-content/uploads/2017/09/7tage.pngKressetest Wurmhumus

Legende:
A= Schafs- und Ziegenmist (1 Monat abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
B= Schafs- und Ziegenmist (3 Monate abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
C= „Normale“ Erde [keine Wurmverarbeitung]
D= Frischer Pferdemist [keine Wurmverarbeitung]
E= Pferdemist (2 Monate abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
F= Pferdemist (6 Monate abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
G = Wurmhumus

Regenwürmer kaufen für eine tolle Bodenverbesserung

Regenwürmer kaufen für eine tolle Bodenverbesserung

Das klappt z.B. prima bei „Doktor Kalle“:
http://doktor-kalle.de/umweltschutz/regenwuermer-kaufen-das-geht-ganz-ausgezeichnet-bei-uns/.

Und nicht vergessen: Hier noch einmal der Nutzen, den die Würmer bringen können.

Eine tolle Alternative ist auch die gemeinnützige UG „Umweltschutz und Lebenshilfe“. Das in Kompostwürmer investierte Geld fließt direkt in Natur- und Artenschutzprojekte:
http://www.umweltschutz-und-lebenshilfe.de/regenwuermer-kaufen-natuerlichen-bodenverbesserer-pferdemist-erwerben/
Regenwürmer kaufen oder Futterwürmer kaufen

Vermeidung von Treibhausgasen durch Regenwürmer?

Nachfolgend ein Projektbericht der gUG Umweltschutz und Lebenshilfe:

Ziele:
• Entsorgung von Tiermist und Verhinderung von Nitratanreicherungen im Grundwasser
• Verhinderung der Treibhausgasentwicklung (insbesondere Distickstoffmonoxid sowie Methan) durch schnelle Umwandlung von Tiermist (hauptsächlich Pferdemist) zu Wurmhumus
• Produktion eines natürlichen Düngemittels (Bodenverbesserer)

Motivation und Ausgangslage

Bereits seit Frühjahr 2015 werden von uns unterschiedliche Biomüll-Verwertungsstationen betrieben und kontinuierlich neue Techniken ausprobiert (siehe dazu auch: http://www.noz.de/lokales/melle/artikel/607005/westerhausener-stellt-begehrten-humus-her#gallery&0&0&607005 sowie https://schrotundkorn.de/ernaehrung/lesen/unter-dem-asphalt.html). Mittlerweile liegt der Fokus auf der Wiederverwertung und „Veredelung“ von Tiermist des von uns betriebenen kleinen Gnadenhofes Brödel Melle (http://gnadenhof-melle.de). Hierzu wird mittlerweile auf ca. 30 m² eine Wurmkompostieranlage betrieben.

Sinnvolle Wurmkompostierung

Die Thematik „Wurmzucht“ bzw. „Wurmkompostierung“ ist ein Bereich, welche auch im Jahre 2017 noch oftmals (zu Unrecht) belächelt wird. Dabei genießt dieser Sektor etwa seit den 70er Jahren insbesondere im Bio-/Öko-Landbau eine hohe Beachtung. In der Wissenschaft existieren mittlerweile Publikationen im vierstelligen Bereich zu diesem Thema. Schon Charles Darwin hob den expliziten Nutzen dieser Tiere für einen gesunden Boden hervor.

Abgesiebter Wurmhumus

Abgesiebter Wurmhumus


Bei Graff ist zu lesen:

„Es besteht kein Zweifel, dass man Regenwürmer in vielerlei Weise nutzbringend einsetzen oder verwerten kann und dass sie geeignet sind, nach den Bienen ein weiteres Nutztier unter den Wirbellosen zu werden.“

(Graff 2003, S.4)
Dennoch werden sog. „Vermikulturen“ trotz einer massiven Bodendegradation und hoher Treibhausgase in der Landwirtschaft noch nicht breitenwirksam eingesetzt.

Austritt von Treibhausgasen

Schädliche Treibhausgase entstehen bekanntermaßen durch unterschiedliche Wirtschaftszweige bzw. gesellschaftliche Verhaltensweisen. Ein nicht zu unterschätzender Sektor im Stadt- bzw. Gemeindegebiet von Melle ist der Sektor der Pferdehaltung. Gemäß Meller Kreisblatt vom 16.09.2016 befinden sich im Umkreis von Melle über 40 Reiterhöfe. Wissenschaftlich belegt ist, dass trotz partieller Verwendung in Biogasanlagen, die Entsorgung des anfallenden Pferdemistes oftmals ein Problem darstellt.
„Da die Pferde in der Regel auf spezialisierten Betrieben mit einer geringen Flächenausstattung gehalten werden, stellt die Verwertung des produzierten Mistes häufig ein erhebliches Problem dar. Aufgrund des hohen Anteils an Einstreu ist eine Ausbringung auf Grünland ohne ausreichende Rotte nicht möglich. Bedingt durch den geringen Düngewert des Pferdemistes ist die Verwertung im Pflanzenbau schwierig. Daher ist in vielen pferdehaltenden Betrieben inzwischen ein Verwertungsproblem mit zum Teil erheblichen Entsorgungskosten entstanden. Eine energetische Verwertung des Pferdemistes konnte sich trotz des kontinuierlichen Anfalls, der guten Verfügbarkeit und geringer Kosten bis heute nicht etablieren“ (Mönch-Tegeder 2014, S.2).
Durch eine unsachgemäße Verwertung bzw. Lagerung von Pferdemist (und Tiermist im Allgemeinen) kann es zu einer Überdüngung des Bodens und einer Verunreinigung des Trinkwassers durch Nitrate kommen. Das Trinkwasser in einigen Teilen Melle ist nicht zuletzt durch eine intensive Landwirtschaft beeinträchtigt (siehe Weblink http://www.noz.de/lokales/melle/artikel/722850/hohe-nitratwerte-bis-in-100-meter-tiefe-in-melle). Dieses ist kein typisches „Melleraner Problem“ sondern ist als eine bundesweite Herausforderung landwirtschaftlich geprägter Regionen anzusehen.

Nicht nur die Einsickerung landwirtschaftlicher Reststoffe (Gülle in den Boden) sondern insbesondere der Austritt klimaschädlicher Treibhausgase (Ausgasung von Tiermist) ist hochproblematisch. Zu nennen sind hier insbesondere Distickstoffmonoxid und Methan (vgl. Mönch-Tegeder et al. 2013). Dieser Herausforderung wird teilweise dadurch entgegen getreten, dass Pferdemist in Biogasanlagen anaerob verwertet wird. Aufgrund seiner schlechten diesbezüglichen Nutzbarkeit stellt Pferdemist jedoch nur einen geringen Anteil der dort verwerteten Feststoffe dar (vgl. Mönch-Tegeder 2014). Eine nicht zu vernachlässigende Menge wird daher zunächst in klassischer Form „abgelagert“ und verursacht während des aeroben Verrottungsprozess hohe Mengen der genannten Treibhausgase. Landwirtschaftliche „Nebenprodukte“ machen aktuell etwa 12,5 % der Gesamtheit der Treibhausgas-Emissionen aus. Dabei ist zu betonen: In Tiermist vorkommendes Methan (CH4) trägt aufgrund seiner hohen Wirkung (25-mal so wirksam wie CO2) (Solomon et al. 2007) mit rund 20 % zum anthropogenen Treibhauseffekt bei.
Distickstoffmonoxid (Lachgas) (N2O) ist ein mit Tiermist direkt in Verbindung stehendes Treibhausgas, dessen Treibhauswirksamkeit etwa 298-mal so groß ist wie die von CO2 (Solomon et al. 2007). Im Kyoto-Protokoll wurde 1997 beschlossen, dass insbesondere die Produktion von Methan und Distickstoffmonoxid zu reduzieren ist.
Auch Ammoniak ist als „Problemgas“ zu nennen, welches aus Düngestoffen entweicht.

Gigantische Mengen Tiermist

Gemäß Deutscher Reiterlicher Vereinigung (2016) werden in Deutschland aktuell etwa 1,1 Millionen Pferde und Ponys gehalten. Die Pferdepopulation hat sich in Deutschland in den vergangenen 40 Jahren etwa vervierfacht. Nach Häußermann et al. (2002) ist pro Pferd mit einer Mistmenge zwischen 17 und 21 Tonnen zu rechnen. Dieses bedeutet, dass in Deutschland etwa 20.900.000 Tonnen Pferdemist pro Jahr anfallen.
Das Umweltbundesamt (2017) schreibt: „Die Landwirtschaft in Deutschland trägt maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase bei. Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch).“
Der Einsatz von Pferdemist als Dünger ist differenziert zu betrachten. Wird dieser gemeinsam mit einer Einstreu (Stroh, Sägespäne) für eine Düngung genutzt, so ist der Nutzen aufgrund des schlechten C/N-Verhältnisses (Gewichtsanteile von Kohlenstoff (C) und Stickstoff (N)) nicht besonders hoch. Wird dagegen „alleiniger“ Pferdemist eingesetzt, so können gute Ergebnisse erzielt werden. Dieses trifft jedoch nur dann zu, wenn dieser hinreichend abgelagert wurde (und in eben dieser Zeit Treibhausgase ausstößt). Ansonsten können Pflanzenwurzeln irreversibel geschädigt werden.
Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass der Großteil des Distickstoffmonoxids (etwa 95%) bei Pferdemist erst nach einer längeren Lagerungszeit entweicht (vgl. dazu He et al. 2001). Romano et al. (2006) weisen auf einen unkontrollierten Austritt von Methan während der Lagerung hin.
Unsere Thesen:

a) Eine schnelle Zersetzung und Verarbeitung von Tiermist (insbesondere Pferdemist) durch Regenwürmer reduziert den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase und reduziert zudem die Gefahr einer Nitratanreicherung im Grundwasser.
b) Durch eine Verarbeitung von Tiermist durch Regenwürmer lässt sich auf natürliche Art, mit geringen Kosten, ein hervorragender natürlicher Dünger/Bodenverbesserer produzieren (Wurmhumus).

Die Produktion eines Alternativdüngers ist schon deswegen wichtig, weil viele herkömmliche Dünger leicht löslichen Stickstoff oder Phosphate enthalten, welche in das Grundwasser einsickern oder einen Boden „überfüttern“ können. Dieses kann den natürlichen Bodenhaushalt nachhaltig schädigen. Bedenklich sind zudem Torfdünger, da diese nachhaltige Biotope durch den Abbau des Torfes irreversibel zerstören.

Projektaufbau

Der Gnadenhof „Brödel“ in Melle besteht aktuell aus drei gepachteten Flächen mit insgesamt 11.000 m². Hier tummeln sich Ponys, Schafe und Ziegen (und zu Ende 2017 noch diverse Kleintiere wie Hühner, Enten, Kaninchen, Meerschweinchen etc.). Der anfallende Tiermist wird mehrfach innerhalb der Woche zwecks Weidehygiene und Krankheitsvermeidung abgetragen und beträgt pro Monat einen Umfang von etwa 500 Litern Feststoffe. Zwar ist dieses im Vergleich zu klassischen Pferdehöfen marginal, dennoch ist es wichtig das Problem schon „im Kleinen“ anzugehen, um es „ins Große“ transformieren zu können.
Um diesen Tiermist schnell umwandeln zu können haben sich zwei unterschiedliche Mistwurmarten etabliert: Eisenia foetida sowie Eisenia hortensis (auch als Dendrobena Veneta bekannt)
Diese zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:
• Hohe Fortpflanzungsrate
• Schnelles Wachstum
• Hohe Boden- und Temperaturtoleranz
• Hohe Futterverwertung und damit hohe Humusproduktion

Damit die Wurmarten nicht aufgrund des hohen Ammoniakgehaltes unweigerlich sterben wird der Tiermist (insbesondere der Pferdemist) zunächst etwa 2-3 Wochen abgelagert. Anschließend wird dieser (teilweise zusammen mit Stroh oder Heuresten) auf die Wurmfarm gebracht.
Ein Film zu unserer Wurmfarm findet sich auf
https://www.youtube.com/watch?v=ZDlJDwzpY6Q

Wurmhumus

Die Wurmfarm ist mittlerweile etwa 30 m² groß. Auf einer Höhe von etwa 45 cm werden hier tierische Abfallprodukte, Pflanzenverschnitt, Gemüsereste und auch Zellstoffe ohne Farbaufdrucke (z.B. Pappe) verarbeitet. Zu dem „Reststoffgemisch“ wird zudem ein Anteil Erde hinzugegeben (etwa 40 % der Gesamtmenge). Zum Boden ist die Wurmfarm mit dicken Plastikplanen abgesichert, damit kein Wasser versickert. Für die Tiermistverarbeitung wurden zunächst (März 2017) etwa 10.000 Mistwürmer gekauft (monetärer Wert etwa bei 300 Euro). Zum jetzigen Stand (September 2017) liegt die Anzahl bei (geschätzt) etwa 75.000 Würmern. Diese fressen und verarbeiten den Tiermist, wobei eine Fülle von Klein- und Kleinstorganismen bei der Umarbeitung helfen. Die Verarbeitung funktioniert (je nach Anzahl der Würmer) relativ schnell. Eine „gut geführte“ Wurmfarm ist in der Lage, pro m² bis zu etwa 7000 Würmer „zu beherbergen“. Da unser Projekt noch (!) relativ wenige Verwerter integriert (im Frühjahr 2018 aber dürften es ca. 200.000 Würmer sein) wird der Tiermist aktuell innerhalb von 2-3 Monaten umgewandelt. Es entsteht feinkörniger Wurmhumus, welcher dann von uns manuell abgesiebt wird.

Informationen über Wurmhumus

Mit unterschiedlichen Mistformen sowie Kresse haben wir den klassischen „Kressetest“ durchgeführt.

Kressetest (nach 7 Tagen)

Kressetest (nach 7 Tagen)


Legende:
A= Schafs- und Ziegenmist (1 Monat abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
B= Schafs- und Ziegenmist (3 Monate abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
C= „Normale“ Erde [keine Wurmverarbeitung]
D= Frischer Pferdemist [keine Wurmverarbeitung]
E= Pferdemist (2 Monate abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
F= Pferdemist (6 Monate abgelagert) [keine Wurmverarbeitung]
G = Wurmhumus

Für den Kressetest wurden alle Proben mit der gleichen Menge Wasser befeuchtet. Auch die Anzahl der Kressesamen ist identisch.
Das Ergebnis zeigt, dass Schafs- und Ziegenmist eine geringe Wachstumsförderung bei Kresse bewirkt. Auch „normale Erde“ (nicht durch Düngestoffe angereichert (C)) weist ein unterdurchschnittliches Kresse-Wachstum im Gesamtvergleich auf. Deutlich höher ist dieses bei frischem Pferdemist (D), welcher jedoch aufgrund eines hohen Ammoniakgehaltes in dieser Form nicht für eine Düngung geeignet ist. Etwas geringer ist das Kressewachstum bei 2 Monate abgelagertem Pferdemist (E). Probe F (6 Monate abgelagerter Pferdemist) weist genaue wie D ein sehr üppiges Wachstum auf. Der schnellste Wuchs jedoch ist bei Probe G (Wurmhumus) zu verzeichnen (etwa 1 Zentimeter höher als Schaf-/Ziegenmist).
Auch nach 9 Tagen sind diese Wachstumsunterschiede gut zu erkennen.

Kressetest (nach 9 Tagen)

Kressetest (nach 9 Tagen)

In einem weiteren Versuch wurden 1000 Liter Pferdemist in einem IBC Regenwassertank gelagert (nach oben offen, damit es hineinregnen kann). Nach 4 Monaten hatte sich die Höhe des Mistes durch eine Verrottung um etwa 25% reduziert.
Die gleiche Menge Pferdemist wurde in einem zweiten Regenwassertank gelagert, wobei hier 5000 Mistwürmer und etwa 200 Liter Erde hinzugefügt werden. Trotz des insgesamt höheren Volumens reduzierte sich hier die Stoffhöhe um nahezu 50 %.

Fazit und Ausblick

Feststellung 1: Auf einfache Art und Weise kann aus anfallenden Tiermistsorten mit geringem monetären und zeitlichem Aufwand ein hervorragender Bodenverbesserer geschaffen werden, welcher zudem durch seine Ton-Humus-Kolloide die Auswirkungen von Starkregen reduziert.

Feststellung 2: Das Volumen des Tiermistes reduziert sich signifikant durch den Einsatz von Mistwürmern (im Vergleich zum „Nicht-Einsatz“). Die „Verarbeitung“ findet somit deutlich schneller statt. Es ist zu vermuten, dass ein geringeres Volumen auch gleichbedeutend mit einer geringeren Emission von Treibhausgasen ist. Somit: Vermeidung von Treibhausgasen durch Regenwürmer.

Um dieses wissenschaftlich belegen zu können soll im Jahre 2018 versucht werden, empirische Feldversuche mit der Universität Osnabrück durchzuführen. Das Ziel ist es, genau quantifizieren zu können, wie hoch die Emissionen (z.B. Methan, Distickstoffmonoxid) bei Pferdemist nach unterschiedlichen Zeiträumen mit bzw. ohne Wurmverarbeitung sind.

Unser Ziel ist es zudem, noch deutlich mehr Menschen davon zu überzeugen, dass eine sinnvolle Tiermistverwertung bei sehr geringen Investitionskosten stattfinden kann. Dazu nutzen wir beispielsweise verschiedene Webseiten oder aber veröffentlichen von Zeit zu Zeit Artikel in der Presse. Im Frühjahr 2018 werden wir versuchen, den Wurmhumus günstig zu verkaufen. Dieses soll nicht nur Einnahmen (insbesondere für den Gnadenhof) generieren sondern auch demonstrieren, wie einfach es ist, natürlichen Dünger zu produzieren.

Literatur

Arancon N.Q.; Edwards, C.A. (2005): „Effects of vermicomposts on plant growth“.Paper presented during the International Symposium Workshop on VermiTechnologies for Developing Countries (ISWVT 2005), Los Banos, Philippines November 16-18, 2005

Badauria T.; Saxena K. G. (2010): Role of Earthworms in Soil Fertility Maintenance through the Production of Biogenic Structures. In: Applied and Environmental Soil Science. S. 1-8

Bruksch, L.; Rimpau, J. (2013): Kompost aus der Kiste. Wurmkisten für den Hausgebrauch selber bauen. Stuttgart.

Buch, W. (1986): Der Regenwurm im Garten. Stuttgart

Deutsche Reiterliche Vereinigung (2016): FN aktuell. Offizielle Pressemitteilung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V., Mai 2016
Dunger, W. (1964): Tiere im Boden. Wittenberg

Graff; W. (2003): „Regenwürmer“, in: Ökoportrait 35, NVN/BSH, Beilage zu Natur und Kosmos. München. S.1-4

He, Y.; Yuhei, I.; Mizuochi, M.; Kong, H.; Iwami, N.; Sun, T. (2013): “Nitrous Oxide Emissions from Aerated Composting of Organic Waste”Environ. Sci. Technol., 2001, 35 (11), pp 2347–2351

Häußermann, A., Beck, J.; Jungbluth, T. (2002): Litter materials in horse husbandry. Landtechnik 57(1): 50-51

Mönch-Tegeder, M.; Lemmer, A.; Oechsner, H.; Jungbluth, T. (2013):
“Investigation of the methane potential of horse manure“. Agric Eng Int: CIGR Journal, Vol. 15, No.2, 161

Mönch-Tegeder, M. (2014): Untersuchungen zur Verwertbarkeit von Pferdemist im Biogasprozess. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Agrarwissenschaften (Dr. sc. agr.) vorgelegt der Fakultät Agrarwissenschaften, Universität Hohenheim

Orozco, S.H.; Cegarra, J.; Trujillo, L.M.; Roig, A. (1996) Vermicomposting of coffee pulp using the earthwormEisenia fetida: effects on C and N contents and the availability of nutrients. Biology and Fertility of Soils. 22: 162-166.

Romano, P. V.; Krogmann U.; Westendorf, M. L.; Strom, P.F. (2006). Small-scale composting of horse manure mixed with wood shavings. Compost Science and Utilization, 14(2): 132- 141

Solomon, S.; Qin, D.; Manning, M.; Chen, Z.; Marquis, M.; Averyt, K. B.; Tignor, M.; Miller, H. L. (Hrsg.) (2007): Climate Change 2007: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change., Table 2.14.

Umweltbundesamt 2017:
http://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas#textpart-1

Eine Kindergeschichte über den Regenwurm

Download der Geschichte: http://wurmpalast.de/DieWubbjesunddieRegenwuermer.pdf

Die Wubbjes lebten schon lange mit den Tieren gemeinsam im Wubbjeland. Vieles wussten sie natürlich über sich. Die Wubbjes waren sozusagen echte Experten, was das Leben der Tiere anging. Eines Tages aber fragte Mungo „Du Flocke, was machen eigentlich die Regenwürmer so den ganzen Tag? Ich sehe Rodolfo ja manchmal in der Erde wühlen, weiß aber gar nicht so genau, was er da so vorhat?“
Auch Flocke fuhr sich nachdenklich mit der Hand durch ihre knallgelben Haare und kaute auf einer roten Strähne herum. „Hm…gute Frage“, sagte sie. „Er sorgt für eine Bodenverbesserung, dadurch, dass er den Boden so auflockert. Es kommt somit viel Luft in die Erde und das ist gut für die Pflanzen. Wenn ich ehrlich bin, viel mehr weiß ich darüber auch nicht.“ Auch Knolle nickte stutzig: „Stimmt. Geht mir ähnlich. Warum fragen wir ihn nicht gleich einfach mal?“ Mungo, ausgestattet mit einer feuerroten Haarpracht, holte noch schnell seine Schwester Lolly aus ihrem Kinderzimmer in der großen Spechtwohnung. Dann fuhren sie auf ihren klapprigen Rollern gemeinsam mit Flocke und Knolle auf einen Acker in der Nachbarschaft. Regenwurm Rodolfo war dort mit einigen Kollegen gerade bei der Arbeit.

Verarbeitung von toten Pflanzen

Rodolfo verlegte gerade einige kleine Röhren aus getrockneten Schilfstängeln, scheinbar um den Boden zu entwässern. Es war gerade Sommer im Wubbjeland und abends gab es oft warme Gewitterregen. „Du Rodolfo“, rief Mungo. „Sag mal, was macht ihr Regenwürmer eigentlich so den ganzen Tag?“ Rodolfo schmunzelte und freute sich, dass er einmal über seine Tätigkeiten reden konnte. „Oh…das ist ganz viel. Wenn Ihr etwas Zeit habt, dann erzähle ich es Euch gerne.“ „Jaaaaa“, riefen Lolly und Mungo aus einem Munde.

Rodolfo nahm seinen Arbeitshut vom Kopf, wischte sich erst einmal den Schweiß ab und schenkte den Wubbjes fröhlich ein Glas süßer Limonade ein. „Wir Regenwürmer machen sehr viel; viel mehr als manche denken. Genau genommen sind meine Kumpels und ich ja keine Regenwürmer, wir sind streng genommen sogenannte Mistwürmer. Oftmals sind wir ja auf Mist- oder Komposthaufen aktiv, wir sind den Regenwürmern aber sehr ähnlich.“
Mungo nickte: „Ah, und was macht Ihr da so?“

Rodolfo gab den vier Wubbjes einige Sicherheitshelme und Taschenlampen. „Kommt mal mit. Wir machen gleich eine Reise unter die Erde. Ihr werdet staunen.“

Bildquelle: Markus Nimtz

Gemeinsam stapften sie zu einem dunklen Eingang, welcher in den Boden führte. Zahlreiche Schläuche und Kabel ragten dort hinein. Auch stand dort eine kleine Dampflokomotive. Auf Eisenbahnschienen war es scheinbar möglich, mit dem klappringen Gefährt in den dunklen Boden hinein zu fahren. An die Lokomotive waren einige kleine Lastwaggons angekoppelt.
„In der Regel leben und arbeiten wir ja dort, wo noch verbleibendes Pflanzenmaterial vorhanden ist.“ Rodolfo zeigte auf diverse Pflanzenstängel und Pferdemist, welcher auf dem Feld herumlag. „Das Zeug wird dann zunächst einmal von ganz, ganz kleinen Helfern angefressen. Zum Beispiel helfen uns Kuno und Knut die Kellerasseln dabei. Sie nagen an den Resten und zerkleinern sie. Auch ganz winzige Fadenwürmer unterstützen uns. Wichtig ist, dass die Stoffe immer schön feucht sind. Und viele Kleinstlebewesen, wie zum Beispiel winzige Pilze und Bakterien sind auch aktiv und helfen uns. Die meisten dieser Lebewesen kennt jedoch kaum einer. Sie leben ja fast nur im Boden und sie sind kaum zu erkennen. Man braucht mindestens eine Lupe dazu. Steigt mal ein, ich zeige Euch das mal“.
Gemeinsam stiegen sie auf eine kleine Plattform hinter der Dampflok. Leise tuckernd fuhren sie nun gemeinsam in das Dunkle hinein. Ein bisschen unheimlich war das ja schon. Welches Geheimnis würde sie dort wohl erwarten? Ein bisschen Licht gab es in dem Tunnel. An der Lokomotive waren einige Scheinwerfer angebracht. Zudem gab es in dem Gang, der mit leichter Neigung nach unten führte, auch einige Lampen. So konnten sie im schummerigen Licht erkennen, dass an der Decke und den Seiten des Ganges viele Pflanzenwurzeln nach unten zeigten. Die Wubbjes staunten.

Lolly fragte: „Pilze? Flocke wird doch im Schlaf oft ein Steinpilz. Fressen Steinpilze dann auch die Reste?“ Rodolfo lachte. „Ja, Steinpilze fressen die Reste bestimmt manchmal auch mit ihren Wurzeln. Aber ich meine so winzig kleine Pilze, die man mit bloßem Auge nicht sieht. Weißt Du: In einem kleinen Bodenanteil leben Millionen und Abermillionen von diesen ganz kleinen Lebewesen.“ Lolly nickte, ihr Vater hatte ihr darüber einmal aus einem Buch vorgelesen. „Und ohne diese Helferlein? Also ohne Knut und Kuno und die ganzen noch viel kleineren Winzlinge könntet Ihr das grüne Material gar nicht zu Euch nehmen?“ „Stimmt“, sagte Rodolfo. „Wir sind auf unsere Freunde angewiesen.“ Mit einem lauten Zischen stoppte die Eisenbahn in einer Kurve. „Alle mal aussteigen!“, rief Rodolfo.
Vorsichtig stiegen die Wubbjes von der Plattform und schalteten ihre kleinen Taschenlampen an. Und tatsächlich, in einem Nebengang sahen sie in fahlem Licht eine ganze Menge kleine Kellerasseln, welche gerade zufrieden an einem alten Maiskolben knabberten. „Moin Moin“, rief Rodolfo. „Alles ok, Jungs? Kommt Ihr voran?“. „Logo!“, riefen die kleinen Kellerasseln mit vollem Mund zurück. Rodolfo holte eine riesengroße Lupe aus einem Schrank hervor und leuchte mit einem Strahler auf eine Ecke in dem schummerigen Gang. „Schaut mal her“, sagte er. „Das habt Ihr noch nicht gesehen.“ Und tatsächlich, bei genauem Hinsehen durch die Lupe konnten die Wubbjes in dem hellen Licht ganz winzig kleine Dinger erkennen. So klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht entdecken würde. Sie futterten gerade an einem alten Stück Pferdemist herum. „Ihr werdet es vielleicht nicht glauben, aber so etwas schmeckt denen, und uns auch.“, sagte er stolz. „Wir fressen aber nicht nur Grünzeug oder Tiermist, wir fressen auch altes, durchweichtes Papier und sogar Pappe. Das Schmeckt richtig gut, lecker!“ Rodolfo rollte verträumt mit den Augen bevor er sich mit seiner Zunge über den Mund fuhr. „Ihr futtert Pappe?“, fragten Mungo und Lolly ganz verblüfft.

Licht finden wir nicht so gut

„Oh ja, so etwas lieben wir. In manchen Gärten werfen die Menschen, die das wissen, sogar Pappe auf den Kompost. Wenn es regnet, dann ist es gerade im Sommer darunter schön kühl und die Stoffe in der Pappe sind für uns wichtige Nahrung. Außerdem ist es darunter dunkel, ihr wisst ja, Licht mögen wir nicht besonders. Zuviel Licht kann uns sogar krank machen und wir können austrocken“, sagte er, um danach einen Fingerhut Wasser über seinem Kopf auszuleeren. „Das heißt an der Erdoberfläche fühlt ihr Euch gar nicht so wohl?“, fragte Knolle.
„Genau! Wenn es sehr bewölkt ist, so wie heute, dann geht es noch. Aber auch zu viel Wasser ist nicht gut. Wenn es sehr viel regnet, dann verlassen wir den Boden manchmal, weil wir dann Probleme mit unserer Atmung bekommen. Hier ist ja dann alles nass, ein richtiger Fluss manchmal. Steigt mal wieder ein, ich zeige Euch noch was…“
Gemeinsam tuckerten sie mit der kleinen Eisenbahn weiter den dunklen Gang hinunter. Es wurde tiefer und tiefer und es roch etwas modrig nach altem, vergammelten Holz.

„Stimmt das eigentlich, wenn man Euch zerteilt, dass dann zwei Regenwürmer wachsen?“ fragte Mungo etwas forsch. „Oh nein, ich weiß, dass das in vielen Büchern steht. Aber es ist falsch“, Rodolfo wirkte etwas erschreckt. “Ein Teil wird davon auf jeden Fall sterben. Manchmal müssen wir leider tatsächlich ein Stück abtrennen, wenn zum Beispiel ein unvorsichtiger Mensch uns mit seinem Fahrrad anfährt oder mit einem Spaten zerteilt, das tut mächtig weh“. Er verzog das Gesicht zu einem schaurigen Gesichtsausdruck. „Um überleben zu können spalten wir einen Teil dann ab. Dieser Teil überlebt dann nicht. Aber der andere Teil von uns hat dann noch eine gute Chance“, sagte er stolz. „Wir sind nämlich echte Kämpfer, wisst Ihr? Wenn wir gute Lebensbedingungen haben, also ausreichend Feuchtigkeit, eine angenehme Temperatur zwischen 10 und 25 Grad und genügend Futter, dann vermehren wir uns rasend schnell. Aus einem von uns werden dann innerhalb eines Jahres richtig viele. Wir legen ja kleine Kokons ab, wisst ihr? Und da schlüpfen unsere Nachkommen zahlreich innerhalb kurzer Zeit. Dann muss der Kompost aber gut abgedeckt sein, dass es auch dunkel ist. Und wir müssen die Chance haben, im Winter in tiefere Bodenschichten zu fliehen, um nicht zu erfrieren. Naja, und wenn der Kompost nach unten mit Draht abgesichert ist, dann können Wühlmäuse und Maulwürfe auch nicht vergessen, dass sie uns ja nicht fressen sollen.“
In der Tat gab es ein Gesetz im Wubbjeland, dass vor vielen Jahren einmal verabschiedet wurde. Es besagte, dass alle, die in diesem Land leben, niemanden anders fressen dürfen. Die Eule frisst keine Mäuse. Die Mäuse fressen keine Schnecken oder Würmer und die Spinnen oder Asseln werden nicht von den Igeln aufgefuttert. Wespen und Hornissen mampfen keine Käfer oder Grashüpfer, ebenso wenig wie die Vögel dieses tun. Wer das nicht befolgt der muss das Wubbjeland verlassen. Also hielten sich alle daran, denn das Leben auf diesem Fleckchen Erde war wundervoll.

Wurmhumus und Wurmkompost

Rodolfo erzählte weiter: „Ich lebe gerne in dem großen Kompost am Dorfrand bei den Menschen, da wo die Kirche steht und der Pfarrer Elvis lebt. Dort finden wir vergammelte Erdbeeren, Melone, altes Brot, Kaffeeprütt, Gurkenreste und auch alte Pappe.“ „Ah“, nickte Flocke, „und was passiert dann damit?“.
„Ja, also da wird es wirklich interessant für die Natur“, sagte Rodolfo stolz. „Wir machen den besten Boden, den man sich vorstellen kann. Wir fangen an, wenn Knut und Kuno und all ihre Kollegen das Material ordentlich zerkleinert haben. Wir haben einen enormen Hunger. Weil wir so viel in der Erde arbeiten, essen wir bis zur Hälfte unseres Körpergewichtes an einem Tag.“
„Ui“, staunte Lolly. „Das wäre ja fast so, als wenn ich fünf Bucheckernpizzen, vier große Portionen Erdbeerquark mit Käse und zwei Teller Suppe mit Fenchelsamen und Brotkrümeln essen würde. Nein, das wäre sogar noch mehr“, rechnete sie. „Ja“, lachte Rodolfo. “Gut essen können wir wirklich. Und das, was wir verdauen, kommt dann in den Boden. Und wir durchwühlen und durchpflügen die erste Schicht des Bodens immer wieder. Ein Stückchen Salat verarbeiten wir manchmal vier- bis fünf mal. Es bleiben dann nur noch Nährstoffe übrig, die dann in den Boden gelangen und diesen für Pflanzen wertvoll machen.“
Die Eisenbahn hielt. Rodolfo führte die kleine Truppe zu einem großen Tisch, an dem viele Mistwürmer gerade munter am Essen waren. Sie kauten auf matschigen Blättern und Stängeln herum. Naja, richtig lecker sah das nun wirklich nicht aus, aber den Mistwürmern schien es zu schmecken.
„Was sind denn Nährstoffe?“, fragte Mungo. Knolle antwortete: „Blumen und Bäume und alle Pflanzen benötigen Nährstoffe um gut und gesund zu wachsen. Diese Nährstoffe haben so seltsame Namen wie Kalium, Phosphor, Stickstoff oder Magnesium. Aber das braucht ihr jetzt noch nicht zu wissen, das lernt ihr später in der Schule.“ Mungo staunte: „Und ihr produziert diese Nährstoffe?“ “Ja, im Prinzip schon. Naja, diese Nährstoffe sind schon in unserem Essen enthalten, zum Beispiel in Blättern, alten Tomaten oder Kaffeeresten. Wir sorgen dann dafür, dass diese Stoffe wieder in den Boden gelangen. Die Wurzeln der Pflanzen nehmen diese dann auf.“
„Toll“, staunte Lolly. „Wir machen aber noch viel mehr“, fuhr Rodolfo fort. „Das, was wir an den Boden abgeben, unser Wurmhumus, ist Medizin im Boden. Unser Wurmhumus hilft den Pflanzen gesund und stabil zu bleiben. Er heilt sogar Krankheiten. Das ist so, als ob du eine Tasse einen Tee mit Salbei, Minze und Kümmel gegen Husten trinkst.“
Sie fuhren wieder ein Stückchen mit der Eisenbahn und hielten an einem Platz, an dem gut ersichtlich Wurzeln von allen Seiten in den Gang ragten. Rund um die Wurzeln waren kleine Mistwürmer in weißen Kitteln gerade dabei, diese mit einer dunklen Paste zu bestreichen. Sie gingen sehr vorsichtig und sorgfältig dabei vor.
„Hier seht ihr unser Ärzteteam. Vielleicht habt Ihr schon einmal Tomaten an Sträuchern gesehen, welche nach intensivem Regen etwas bräunlich wirken?“ Mungo nickte. „Das ist die Krankheit der Braunfäule. Hier haben wir einen solchen Fall. Der Tomate oben geht es nicht gut. Unser Mist kann aber helfen, die Pflanzen davon zu heilen. Wir Mistwürmer sind die Ärzte des Bodens, und damit auch der Pflanzen.“ Rodolfo holte einen kleinen Koffer heraus, mit einem roten Kreuz. „Wenn wir sehen, dass eine Pflanze welkt oder aber nicht genügend Früchte trägt, dann krabbeln wir dahin und verstreuen unseren Wurmhumus gezielt an den Wurzeln. Du kannst sicher sein, nach einigen Tagen geht es ihr wieder besser! „Toll“, raunte Mungo und war wirklich beeindruckt.
Von der Decke sahen die Wubbjes aus einigen Löchern fahles Tageslicht in den Tunnel scheinen. „Hier waren meine Jungs und haben kleine Gänge gebuddelt. Das ist gut für die Durchlüftung und toll für die Pflanzenwurzeln. Und unser Wurmhumus kann sogar Wasser festhalten, auch das ist wichtig.“ „Wasser festhalten? Häh? Wofür denn?“, fragte Lolly. „Naja, gerade jetzt im Sommer kommt es oft zu heftigen Regenfällen, Starkregen nennen wir sie. Wenn der Boden keinen Wurmhumus enthält, dann kann es sein, dass dieser einfach weggeschwemmt wird. Und wo sollen die Pflanzen dann wachsen? Oder es kann sein, dass das Wasser ganz schnell im Boden verschwindet und dabei ganz viele Nährstoffe mit sich reißt. Diese fehlen dann den Blumen und Bäumen. Unser Wurmhumus aber speichert das Wasser. Das ist so, als ob Du einen Schwamm ins Waschbecken legst, weisst Du?“
„Das heißt also, Ihr sorgt nicht nur für eine gute Nährstoffversorgung und dafür, dass Medizin im Boden ist? Ihr kümmert Euch auch darum, dass der Boden Wasser speichern kann und so für die Pflanzen verbessert wird?“, fragte Flocke. „Exakt. Genau das ist es. Ohne uns würde es dem Boden schlecht gehen.“
„Gibt es denn etwas, was Ihr gar nicht mögt?“ „Ja, saure Früchte, wie zum Beispiel Orangen, Ananas oder Zitronen. Auch gespritztes Obst ist giftig für uns. Davon verderben wir uns ganz massiv den Magen. Nicht gut für uns ist auch Chemie. Ich habe einmal in einem Garten gearbeitet, in welchem ein Mensch ganz viel chemisches Zeugs gespritzt hatte. Ich weiß nicht genau, was das war. Ich glaube, er wollte keine Gänseblümchen in seinem Garten haben und keine Maulwürfe. Ich kann das nicht verstehen. An den kleinen Hügeln hat er immer ganz viel gesprüht. Der Boden hat so scheußlich geschmeckt, das war fürchterlich. Ganz viele der kleinen Bakterien und Mikrolebewesen, welche wir doch als Partner brauchen, hatten sich schon aus dem Staub gemacht. Wir sind dann alle zum Nachbarn gekrochen, da war es besser. „Keine Chemie – Mit uns nicht und nie!!“ ist seitdem unser Schlachtruf.“

„Arbeitet Ihr denn nur in Misthaufen oder auch sonst in Gartenerde?“, wollte Mungo wissen, als sie mit der kleinen Eisenbahn weiter fuhren. „Misthaufen lieben wir, weil da ordentlich Futter herumliegt. Es gibt Menschen, welche extra Wurmkokons oder Würmer in ihren Komposthaufen einstreuen. Das gibt immer ein Hallo. Und Essen ist in der Regel genug da. Winzige Würmchen schlüpfen und wir fressen im Frühling und Sommer den ganzen Misthaufen kurz und klein. Es bleibt dann wirklich nur toller Wurmhumus übrig, den die Menschen dann an die Pflanzen verteilen. Die Pflanzen lecken sich dann schon manchmal hungrig die Münder. Vor einigen Jahren wurde ich vom Pfarrer Elvis rund um seine Karottensaat ausgesetzt. Glücklicherweise hatte er den Boden oberhalb gemulcht. Wir nennen das so, wenn zum Beispiel Rasenschnitt oder auch alte Blätter dort ausgelegt werden. Das war toll, wir hatten dadurch jede Menge zu fressen und haben uns rührend um die Möhren gekümmert. Elvis war vielleicht glücklich über solche Prachtexemplare.“

Plötzlich sahen sie große, dicke runde kugelartige Gebilde aus den Wänden hervorschauen. Eine Kolonne Mistwürmer schippte Wurmhumus auf diese. „Das sind Kartoffeln“, sagte Rodolfo.“ Eine der besten Bodenpflanzen überhaupt. Und mit Wurmhumus werden diese stark und kräftig.

Lolly und Mungo waren baff. Auch Knolle und Flocke waren beeindruckt als sie sich wieder dem Ausgang näherten. „Oh ha, ich hätte nie gedacht, dass ihr so eine wichtige Funktion ausübt. Das habe ich etwas unterschätzt“, sagte Knolle. „Arbeitet ihr denn auch im Wald?“ „Wir als Mistwürmer eigentlich nicht. Der Boden ist uns da zu sauer. Eichenlaub schmeckt sehr bitter und Tannennadeln schmecken überhaupt nicht. Das ist nichts für uns. Im Wald wird das von anderen Lebewesen übernommen. Wir sind eher für Gärten und Wiesen oder auch Äcker zuständig. Am tollsten ist es aber in einem gemütlichen Komposthaufen.“

Lolly und Mungo hatten heute wieder etwas gelernt. „Danke, Rodolfo“, riefen sie aus einem Mund. Ihr Freund der Mistwurm war also ein echter Bodendoktor und dadurch hilfreich für Pflanzen und Tiere im Wubbjeland gleichermaßen. Sie waren stolz, dass sie ihn kannten, schwangen sich auf ihre Roller und rasten den Acker hinunter, direkt in Richtung ihrer kleinen Spechtbehausung. Das, was sie heute gelernt hatten, würden sie morgen in der Schule erzählen. Da würden die anderen Kinder aber staunen.

Regenwürmer züchen, Errichtung einer Wurmfarm


Bildquelle: Markus Nimtz

Wichtige Informationen für die Errichtung einer Wurmfarm (auch ein paar Antworten für Erwachsene):

Als besonders gutes Wurmfutter eignen sich:
• Teebeutel
• Kaffeeprütt
• Bananenschalen, gemalene Eierschalen (enthält Kalk, sehr wichtig!)
• Paprika (nicht zu scharf), Erdbeeren, Erdbeerverschnitt, Melonenreste; generell ungespritzte Obst- und Gemüsereste
• Brotreste
• Ab und zu etwas Kalk (durch die Verrottung des Materials wird der Boden ansonsten sauer), ggf. etwas Mineraldünger
• Kohlenstoffhaltiges Material (Zeitungspapier (ohne Farbstoffe), Pappe, Klorollen)
• Für draußen: Pferde-, Kuh-, Schaf-, Schweine-, Ziegen- oder Kaninchenmist (dieser sollte, bevor die Würmer ihn umwandeln dürfen, mindestens eine Woche auf einer Steinplatte abgelagert werden. Das enthaltene Ammoniak kann die Würmer ansonsten töten.)
• Das Futter sollte immer nur an einer Seite der Wurmkiste ausgelegt werden. Für den Fall, dass dieses nämlich nicht so gut geeignet ist, können die Würmer dann fliehen.

Absolut tabu sind:
• Säurehaltiges Futter wie Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen), Ananas)
• Gespritztes Obst und Gemüse
• Knoblauch
• Scharfe und stark gesalzene Essensreste
• Fleisch (lockt Ratten an)
• Geflügelmist (zu sauer)

Du wirst unter Umständen feststellen, dass Deine Würmer deutlich mehr fressen, als Du an Biomüll produzierst. Frage Freunde oder Bekannte oder ein Restaurant in Deiner Nähe. Auch andere freuen sich, wenn sie mit ihrem Biomüll „Gutes tun“ können.
Wie kann ich mit Wurmhumus meinen Boden verbessern?
Wenn der fertige Humus geerntet wurde (in einer Wurmkiste nach etwa 3-4 Monaten), dann streust Du ihn in einigen Zentimeter-Dicke auf den aufzuwertenden Bodens ein (ca. 2-3 cm).

Film auf YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=dp1aik2_fBc (von dem Autor dieses Buches und seinem Huhn Waltraud)

© Kai Behncke
http://umweltschutz-und-lebenshilfe.de

Wubbjes – Saatgutbällchen mit Wurmhumus

Vielen ist es sicherlich bekannt. Bienen und Hummeln haben es zur Zeit nicht ganz leicht. Pestizide, Monokulturen, Flächenversiegelung. In den letzten Jahren ist es massives Bienensterben zu verzeichnen, aber ohne Bienen keine Bestäubung und ohne Bestäubung keine Nahrung. Stirbt die Biene dann stirbt der Mensch.
Eine schöne Idee wird aktuell vom Projekt http://blumige-landschaften.de verbreitet.
Wubbjes: Samenbällchen mit Wurmhumus. Wir empfehlen den Einsatz dieser Bällchen ab April, um etwas für eine farbenfrohe Arterhaltung beizutragen; und auch der Regenwurm leistet dazu Hilfe.

Wie kann ich Wubbjes herstellen

Du benötigst einen Teil Saatgut (Bienen- oder Hummelmischung) und einen Teil Wurmhumus.
Das ganze wird dann mit Wasser und 5-6 Teilen Teilen Gartenerde gemischt. Anschließend soll das runde Bällchen dann noch mit einer Lehmschicht (etwa 1-2 Zentimeter) umschlossen und getrocknet werden.

Wubbje
Und dann gehts ans Einpflanzen (ab April). Einfach wild in die Erde setzen, auf Grünstreifen, in Stadtbeeten oder auf Brachflächen. Brummende und summende Gäste werden sich freuen, und die Regenwürmer haben auch ihren Beitrag geleistet. Sehr schön 🙂
Das Auge freut sich und der Überraschungsmoment in der Landschaft ist groß. Schaden entsteht keiner – Wunderbar!

Der Link zum Originalartikel
Farbenfroh

10 Pakete Würmer (je 1000 Stück) zu gewinnen

Liebe Leute,
an dieser Stelle gibt es 10 Pakete Würmer (je 1000 Stück) zu gewinnen (zu jeweils 25 Euro).
Es handelt sich dabei um die Wurmarten „Dendrobena veneta“ und „Eisendia foetida“.

Wie könnt Ihr mitmachen?

Es geht ganz einfach. Ihr setzt einen Link zu http://wurmpalast.de in einem Facebook-, Twitter- oder Google+-Posting, in welchem Ihr auf das Projekt aufmerksam macht. Alternativ könnt Ihr auch einen Link auf einer von Euch betriebenen Webseite setzen.
Ein Beispiel:
Auf Facebook schreibst Du z.B.:

Ein schönes Projekt: http://www.wurmpalast.de, dient dem Umweltschutz durch Förderung einer natürlichen Biomüllverwertung…

Dann schickst Du uns den Link zu Deinem Post an info /att/ wurmpalast.de und Du nimmst automatisch an dem Gewinnspiel teil. Dieses läuft bis zum 1. März 2016. Die Gewinner werden anschließend informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

25% des Restmülls in Österreich ist Biomüll – das sollte nicht sein. Das Start-Up wurmkiste.at hat dafür eine Lösung entwickelt.

Wurmkisten aus Holz in denen unzählbar viele Kompostwürmer leben und den Biomüll zu hochwertigem Wurmhumus umwandeln. Die Kisten sehen aus wie stylische fahrbare Hocker und integrieren sich perfekt in die Wohnung. Dort stehen sie auch beispielsweise in der Küche, eben dort wo der Bioabfall anfällt. Unangenehme Gerüche gibt es keine und die Würmer können auch nicht flüchten. Die Kompstwürmer fressen ihr halbes Körpergewicht am Tag und verputzen somit etwa 200g Biomüll täglich. Bei Besuch von Gästen sind die neuen Haustiere auch sofort Gesprächsthema Nr. 1.

Im Zuge des Projekts leben bereits 180.000 Kompostwürmer in den Wurmkisten von wurmkiste.at und verwerten jährlich 11 Tonnen Biomüll. Etwa 400 Menschen haben die Wurmkiste bereits in ihren Lebensalltag integriert. Gebaut werden die Wurmkisten von zwei Brüdern aus ökologischen Rohstoffen in einer kleinen Werkstatt in Oberösterreich. Angeboten werden sie fix-fertig, als Selbstbauset oder können im Rahmen eines Workshops selbst gebaut werden.
Mehr Infos unter www.wurmkiste.at
Wurmkisten

Wurmhumus und Permakulturen

Permakultur

Eine Permakultur ist eine landwirtschaftliche Kulturform, welche ein nachhaltiges, naturnahes und dauerhaftes Bewirtschaften in den Vordergrund stellt. Die Gesamtheit der landwirtschaftlichen Systeme wird betrachtet und Diversität, Stabilität und Widerstandsfähigkeit werden unterstützt. Der Begriff Permakultur setzt sitz aus perma(nent) und …kultur zusammen.
Verschiedene ethische Begriffe spielen dabei eine Rolle, wie z.B. ein achtsamer Umgang mit der Erde, ihren Ressourcen und ihren Lebewesen. Auch ein achtsamer (sozialer) Umgang mit den Menschen ist dabei wichtig, genau wie eine Selbstbegrenzung und eine Überschussverteilung.
Permakulturen sind langfristig angelegt, nachfolgenden Generationen sollen die Wert- und Gütestoffe der Erde unbeschadet übergeben werden. Auch Artenvielfalt, genetische Vielfalt sowie ökologische Vielfalt sind zu unterstützen. Der Leitsatz lautet: „Nachhaltige Optimierung statt kurzfristiger Maximierung.“ Kooperation statt Konkurrenz und die Beziehungen zwischen den Elementen (nicht aber die Elemente an sich) stehen im Blickpunkt der Permakulturen.

Wurmhumus

Regenwürmer und die Produktion von Wurmhumus gliedern sich optimal in Permakulturen ein. Durch ihre grabende Tätigkeit sorgen sie dafür, dass Wasser und Luft optimal in das Element Boden eindringen können. Abgestorbenes Pflanzenmaterial kann nachhaltig verwertet werden; nach einer Zersetzung durch Kleintiere (z.B. Milben, Asseln, später Bakterien) stehen diesem dem Regenwurm in ihrer Fülle zur Verfügung. Dieser wiederum produziert Wurmhumus, das bedeutet, durch den Kot des Regenwurmes wird der Boden mit vielen wertvollen Nähr- und Mineralstoffen angereichert. Wurmhumus beschleunigt die Keimung und Widerstandsfähigkeit von Jungpflanzen. Darüber hinaus wird ein eventueller Schädlingsdruck massiv reduziert. Nematoden und Pilzkrankheiten werden vermindert, die Pfalnzen wachsen „ungestörter“. Durch seine Fähigkeit Wasser aufzunehmen sorgt er dafür, dass – einem Schwamm gleich – es auf den betroffenen Bodenschichten nicht zu Überschwemmungen kommt, bzw. möglichst viel Wasser gebunden wird. Regenwurmhumus enthält verschiedene Enzyme, welche dafür sorgen, dass organische Masse im Boden „verwertbar“ wird und stellt zudem einen optimalen Torfersatz für Gartenerden dar. Wurmhumus ist ein fester Bestandteil von Permakulturen beziehungsweise sollte es unbedingt werden, da der die Prinzipien dieser Landwirtschaftsbewegung wie kaum ein anderer Stoff unterstützt.

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