Eine Kindergeschichte über den Regenwurm

Download der Geschichte: http://wurmpalast.de/DieWubbjesunddieRegenwuermer.pdf

Die Wubbjes lebten schon lange mit den Tieren gemeinsam im Wubbjeland. Vieles wussten sie natürlich über sich. Die Wubbjes waren sozusagen echte Experten, was das Leben der Tiere anging. Eines Tages aber fragte Mungo „Du Flocke, was machen eigentlich die Regenwürmer so den ganzen Tag? Ich sehe Rodolfo ja manchmal in der Erde wühlen, weiß aber gar nicht so genau, was er da so vorhat?“
Auch Flocke fuhr sich nachdenklich mit der Hand durch ihre knallgelben Haare und kaute auf einer roten Strähne herum. „Hm…gute Frage“, sagte sie. „Er sorgt für eine Bodenverbesserung, dadurch, dass er den Boden so auflockert. Es kommt somit viel Luft in die Erde und das ist gut für die Pflanzen. Wenn ich ehrlich bin, viel mehr weiß ich darüber auch nicht.“ Auch Knolle nickte stutzig: „Stimmt. Geht mir ähnlich. Warum fragen wir ihn nicht gleich einfach mal?“ Mungo, ausgestattet mit einer feuerroten Haarpracht, holte noch schnell seine Schwester Lolly aus ihrem Kinderzimmer in der großen Spechtwohnung. Dann fuhren sie auf ihren klapprigen Rollern gemeinsam mit Flocke und Knolle auf einen Acker in der Nachbarschaft. Regenwurm Rodolfo war dort mit einigen Kollegen gerade bei der Arbeit.

Verarbeitung von toten Pflanzen

Rodolfo verlegte gerade einige kleine Röhren aus getrockneten Schilfstängeln, scheinbar um den Boden zu entwässern. Es war gerade Sommer im Wubbjeland und abends gab es oft warme Gewitterregen. „Du Rodolfo“, rief Mungo. „Sag mal, was macht ihr Regenwürmer eigentlich so den ganzen Tag?“ Rodolfo schmunzelte und freute sich, dass er einmal über seine Tätigkeiten reden konnte. „Oh…das ist ganz viel. Wenn Ihr etwas Zeit habt, dann erzähle ich es Euch gerne.“ „Jaaaaa“, riefen Lolly und Mungo aus einem Munde.

Rodolfo nahm seinen Arbeitshut vom Kopf, wischte sich erst einmal den Schweiß ab und schenkte den Wubbjes fröhlich ein Glas süßer Limonade ein. „Wir Regenwürmer machen sehr viel; viel mehr als manche denken. Genau genommen sind meine Kumpels und ich ja keine Regenwürmer, wir sind streng genommen sogenannte Mistwürmer. Oftmals sind wir ja auf Mist- oder Komposthaufen aktiv, wir sind den Regenwürmern aber sehr ähnlich.“
Mungo nickte: „Ah, und was macht Ihr da so?“

Rodolfo gab den vier Wubbjes einige Sicherheitshelme und Taschenlampen. „Kommt mal mit. Wir machen gleich eine Reise unter die Erde. Ihr werdet staunen.“

Bildquelle: Markus Nimtz

Gemeinsam stapften sie zu einem dunklen Eingang, welcher in den Boden führte. Zahlreiche Schläuche und Kabel ragten dort hinein. Auch stand dort eine kleine Dampflokomotive. Auf Eisenbahnschienen war es scheinbar möglich, mit dem klappringen Gefährt in den dunklen Boden hinein zu fahren. An die Lokomotive waren einige kleine Lastwaggons angekoppelt.
„In der Regel leben und arbeiten wir ja dort, wo noch verbleibendes Pflanzenmaterial vorhanden ist.“ Rodolfo zeigte auf diverse Pflanzenstängel und Pferdemist, welcher auf dem Feld herumlag. „Das Zeug wird dann zunächst einmal von ganz, ganz kleinen Helfern angefressen. Zum Beispiel helfen uns Kuno und Knut die Kellerasseln dabei. Sie nagen an den Resten und zerkleinern sie. Auch ganz winzige Fadenwürmer unterstützen uns. Wichtig ist, dass die Stoffe immer schön feucht sind. Und viele Kleinstlebewesen, wie zum Beispiel winzige Pilze und Bakterien sind auch aktiv und helfen uns. Die meisten dieser Lebewesen kennt jedoch kaum einer. Sie leben ja fast nur im Boden und sie sind kaum zu erkennen. Man braucht mindestens eine Lupe dazu. Steigt mal ein, ich zeige Euch das mal“.
Gemeinsam stiegen sie auf eine kleine Plattform hinter der Dampflok. Leise tuckernd fuhren sie nun gemeinsam in das Dunkle hinein. Ein bisschen unheimlich war das ja schon. Welches Geheimnis würde sie dort wohl erwarten? Ein bisschen Licht gab es in dem Tunnel. An der Lokomotive waren einige Scheinwerfer angebracht. Zudem gab es in dem Gang, der mit leichter Neigung nach unten führte, auch einige Lampen. So konnten sie im schummerigen Licht erkennen, dass an der Decke und den Seiten des Ganges viele Pflanzenwurzeln nach unten zeigten. Die Wubbjes staunten.

Lolly fragte: „Pilze? Flocke wird doch im Schlaf oft ein Steinpilz. Fressen Steinpilze dann auch die Reste?“ Rodolfo lachte. „Ja, Steinpilze fressen die Reste bestimmt manchmal auch mit ihren Wurzeln. Aber ich meine so winzig kleine Pilze, die man mit bloßem Auge nicht sieht. Weißt Du: In einem kleinen Bodenanteil leben Millionen und Abermillionen von diesen ganz kleinen Lebewesen.“ Lolly nickte, ihr Vater hatte ihr darüber einmal aus einem Buch vorgelesen. „Und ohne diese Helferlein? Also ohne Knut und Kuno und die ganzen noch viel kleineren Winzlinge könntet Ihr das grüne Material gar nicht zu Euch nehmen?“ „Stimmt“, sagte Rodolfo. „Wir sind auf unsere Freunde angewiesen.“ Mit einem lauten Zischen stoppte die Eisenbahn in einer Kurve. „Alle mal aussteigen!“, rief Rodolfo.
Vorsichtig stiegen die Wubbjes von der Plattform und schalteten ihre kleinen Taschenlampen an. Und tatsächlich, in einem Nebengang sahen sie in fahlem Licht eine ganze Menge kleine Kellerasseln, welche gerade zufrieden an einem alten Maiskolben knabberten. „Moin Moin“, rief Rodolfo. „Alles ok, Jungs? Kommt Ihr voran?“. „Logo!“, riefen die kleinen Kellerasseln mit vollem Mund zurück. Rodolfo holte eine riesengroße Lupe aus einem Schrank hervor und leuchte mit einem Strahler auf eine Ecke in dem schummerigen Gang. „Schaut mal her“, sagte er. „Das habt Ihr noch nicht gesehen.“ Und tatsächlich, bei genauem Hinsehen durch die Lupe konnten die Wubbjes in dem hellen Licht ganz winzig kleine Dinger erkennen. So klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht entdecken würde. Sie futterten gerade an einem alten Stück Pferdemist herum. „Ihr werdet es vielleicht nicht glauben, aber so etwas schmeckt denen, und uns auch.“, sagte er stolz. „Wir fressen aber nicht nur Grünzeug oder Tiermist, wir fressen auch altes, durchweichtes Papier und sogar Pappe. Das Schmeckt richtig gut, lecker!“ Rodolfo rollte verträumt mit den Augen bevor er sich mit seiner Zunge über den Mund fuhr. „Ihr futtert Pappe?“, fragten Mungo und Lolly ganz verblüfft.

Licht finden wir nicht so gut

„Oh ja, so etwas lieben wir. In manchen Gärten werfen die Menschen, die das wissen, sogar Pappe auf den Kompost. Wenn es regnet, dann ist es gerade im Sommer darunter schön kühl und die Stoffe in der Pappe sind für uns wichtige Nahrung. Außerdem ist es darunter dunkel, ihr wisst ja, Licht mögen wir nicht besonders. Zuviel Licht kann uns sogar krank machen und wir können austrocken“, sagte er, um danach einen Fingerhut Wasser über seinem Kopf auszuleeren. „Das heißt an der Erdoberfläche fühlt ihr Euch gar nicht so wohl?“, fragte Knolle.
„Genau! Wenn es sehr bewölkt ist, so wie heute, dann geht es noch. Aber auch zu viel Wasser ist nicht gut. Wenn es sehr viel regnet, dann verlassen wir den Boden manchmal, weil wir dann Probleme mit unserer Atmung bekommen. Hier ist ja dann alles nass, ein richtiger Fluss manchmal. Steigt mal wieder ein, ich zeige Euch noch was…“
Gemeinsam tuckerten sie mit der kleinen Eisenbahn weiter den dunklen Gang hinunter. Es wurde tiefer und tiefer und es roch etwas modrig nach altem, vergammelten Holz.

„Stimmt das eigentlich, wenn man Euch zerteilt, dass dann zwei Regenwürmer wachsen?“ fragte Mungo etwas forsch. „Oh nein, ich weiß, dass das in vielen Büchern steht. Aber es ist falsch“, Rodolfo wirkte etwas erschreckt. “Ein Teil wird davon auf jeden Fall sterben. Manchmal müssen wir leider tatsächlich ein Stück abtrennen, wenn zum Beispiel ein unvorsichtiger Mensch uns mit seinem Fahrrad anfährt oder mit einem Spaten zerteilt, das tut mächtig weh“. Er verzog das Gesicht zu einem schaurigen Gesichtsausdruck. „Um überleben zu können spalten wir einen Teil dann ab. Dieser Teil überlebt dann nicht. Aber der andere Teil von uns hat dann noch eine gute Chance“, sagte er stolz. „Wir sind nämlich echte Kämpfer, wisst Ihr? Wenn wir gute Lebensbedingungen haben, also ausreichend Feuchtigkeit, eine angenehme Temperatur zwischen 10 und 25 Grad und genügend Futter, dann vermehren wir uns rasend schnell. Aus einem von uns werden dann innerhalb eines Jahres richtig viele. Wir legen ja kleine Kokons ab, wisst ihr? Und da schlüpfen unsere Nachkommen zahlreich innerhalb kurzer Zeit. Dann muss der Kompost aber gut abgedeckt sein, dass es auch dunkel ist. Und wir müssen die Chance haben, im Winter in tiefere Bodenschichten zu fliehen, um nicht zu erfrieren. Naja, und wenn der Kompost nach unten mit Draht abgesichert ist, dann können Wühlmäuse und Maulwürfe auch nicht vergessen, dass sie uns ja nicht fressen sollen.“
In der Tat gab es ein Gesetz im Wubbjeland, dass vor vielen Jahren einmal verabschiedet wurde. Es besagte, dass alle, die in diesem Land leben, niemanden anders fressen dürfen. Die Eule frisst keine Mäuse. Die Mäuse fressen keine Schnecken oder Würmer und die Spinnen oder Asseln werden nicht von den Igeln aufgefuttert. Wespen und Hornissen mampfen keine Käfer oder Grashüpfer, ebenso wenig wie die Vögel dieses tun. Wer das nicht befolgt der muss das Wubbjeland verlassen. Also hielten sich alle daran, denn das Leben auf diesem Fleckchen Erde war wundervoll.

Wurmhumus und Wurmkompost

Rodolfo erzählte weiter: „Ich lebe gerne in dem großen Kompost am Dorfrand bei den Menschen, da wo die Kirche steht und der Pfarrer Elvis lebt. Dort finden wir vergammelte Erdbeeren, Melone, altes Brot, Kaffeeprütt, Gurkenreste und auch alte Pappe.“ „Ah“, nickte Flocke, „und was passiert dann damit?“.
„Ja, also da wird es wirklich interessant für die Natur“, sagte Rodolfo stolz. „Wir machen den besten Boden, den man sich vorstellen kann. Wir fangen an, wenn Knut und Kuno und all ihre Kollegen das Material ordentlich zerkleinert haben. Wir haben einen enormen Hunger. Weil wir so viel in der Erde arbeiten, essen wir bis zur Hälfte unseres Körpergewichtes an einem Tag.“
„Ui“, staunte Lolly. „Das wäre ja fast so, als wenn ich fünf Bucheckernpizzen, vier große Portionen Erdbeerquark mit Käse und zwei Teller Suppe mit Fenchelsamen und Brotkrümeln essen würde. Nein, das wäre sogar noch mehr“, rechnete sie. „Ja“, lachte Rodolfo. “Gut essen können wir wirklich. Und das, was wir verdauen, kommt dann in den Boden. Und wir durchwühlen und durchpflügen die erste Schicht des Bodens immer wieder. Ein Stückchen Salat verarbeiten wir manchmal vier- bis fünf mal. Es bleiben dann nur noch Nährstoffe übrig, die dann in den Boden gelangen und diesen für Pflanzen wertvoll machen.“
Die Eisenbahn hielt. Rodolfo führte die kleine Truppe zu einem großen Tisch, an dem viele Mistwürmer gerade munter am Essen waren. Sie kauten auf matschigen Blättern und Stängeln herum. Naja, richtig lecker sah das nun wirklich nicht aus, aber den Mistwürmern schien es zu schmecken.
„Was sind denn Nährstoffe?“, fragte Mungo. Knolle antwortete: „Blumen und Bäume und alle Pflanzen benötigen Nährstoffe um gut und gesund zu wachsen. Diese Nährstoffe haben so seltsame Namen wie Kalium, Phosphor, Stickstoff oder Magnesium. Aber das braucht ihr jetzt noch nicht zu wissen, das lernt ihr später in der Schule.“ Mungo staunte: „Und ihr produziert diese Nährstoffe?“ “Ja, im Prinzip schon. Naja, diese Nährstoffe sind schon in unserem Essen enthalten, zum Beispiel in Blättern, alten Tomaten oder Kaffeeresten. Wir sorgen dann dafür, dass diese Stoffe wieder in den Boden gelangen. Die Wurzeln der Pflanzen nehmen diese dann auf.“
„Toll“, staunte Lolly. „Wir machen aber noch viel mehr“, fuhr Rodolfo fort. „Das, was wir an den Boden abgeben, unser Wurmhumus, ist Medizin im Boden. Unser Wurmhumus hilft den Pflanzen gesund und stabil zu bleiben. Er heilt sogar Krankheiten. Das ist so, als ob du eine Tasse einen Tee mit Salbei, Minze und Kümmel gegen Husten trinkst.“
Sie fuhren wieder ein Stückchen mit der Eisenbahn und hielten an einem Platz, an dem gut ersichtlich Wurzeln von allen Seiten in den Gang ragten. Rund um die Wurzeln waren kleine Mistwürmer in weißen Kitteln gerade dabei, diese mit einer dunklen Paste zu bestreichen. Sie gingen sehr vorsichtig und sorgfältig dabei vor.
„Hier seht ihr unser Ärzteteam. Vielleicht habt Ihr schon einmal Tomaten an Sträuchern gesehen, welche nach intensivem Regen etwas bräunlich wirken?“ Mungo nickte. „Das ist die Krankheit der Braunfäule. Hier haben wir einen solchen Fall. Der Tomate oben geht es nicht gut. Unser Mist kann aber helfen, die Pflanzen davon zu heilen. Wir Mistwürmer sind die Ärzte des Bodens, und damit auch der Pflanzen.“ Rodolfo holte einen kleinen Koffer heraus, mit einem roten Kreuz. „Wenn wir sehen, dass eine Pflanze welkt oder aber nicht genügend Früchte trägt, dann krabbeln wir dahin und verstreuen unseren Wurmhumus gezielt an den Wurzeln. Du kannst sicher sein, nach einigen Tagen geht es ihr wieder besser! „Toll“, raunte Mungo und war wirklich beeindruckt.
Von der Decke sahen die Wubbjes aus einigen Löchern fahles Tageslicht in den Tunnel scheinen. „Hier waren meine Jungs und haben kleine Gänge gebuddelt. Das ist gut für die Durchlüftung und toll für die Pflanzenwurzeln. Und unser Wurmhumus kann sogar Wasser festhalten, auch das ist wichtig.“ „Wasser festhalten? Häh? Wofür denn?“, fragte Lolly. „Naja, gerade jetzt im Sommer kommt es oft zu heftigen Regenfällen, Starkregen nennen wir sie. Wenn der Boden keinen Wurmhumus enthält, dann kann es sein, dass dieser einfach weggeschwemmt wird. Und wo sollen die Pflanzen dann wachsen? Oder es kann sein, dass das Wasser ganz schnell im Boden verschwindet und dabei ganz viele Nährstoffe mit sich reißt. Diese fehlen dann den Blumen und Bäumen. Unser Wurmhumus aber speichert das Wasser. Das ist so, als ob Du einen Schwamm ins Waschbecken legst, weisst Du?“
„Das heißt also, Ihr sorgt nicht nur für eine gute Nährstoffversorgung und dafür, dass Medizin im Boden ist? Ihr kümmert Euch auch darum, dass der Boden Wasser speichern kann und so für die Pflanzen verbessert wird?“, fragte Flocke. „Exakt. Genau das ist es. Ohne uns würde es dem Boden schlecht gehen.“
„Gibt es denn etwas, was Ihr gar nicht mögt?“ „Ja, saure Früchte, wie zum Beispiel Orangen, Ananas oder Zitronen. Auch gespritztes Obst ist giftig für uns. Davon verderben wir uns ganz massiv den Magen. Nicht gut für uns ist auch Chemie. Ich habe einmal in einem Garten gearbeitet, in welchem ein Mensch ganz viel chemisches Zeugs gespritzt hatte. Ich weiß nicht genau, was das war. Ich glaube, er wollte keine Gänseblümchen in seinem Garten haben und keine Maulwürfe. Ich kann das nicht verstehen. An den kleinen Hügeln hat er immer ganz viel gesprüht. Der Boden hat so scheußlich geschmeckt, das war fürchterlich. Ganz viele der kleinen Bakterien und Mikrolebewesen, welche wir doch als Partner brauchen, hatten sich schon aus dem Staub gemacht. Wir sind dann alle zum Nachbarn gekrochen, da war es besser. „Keine Chemie – Mit uns nicht und nie!!“ ist seitdem unser Schlachtruf.“

„Arbeitet Ihr denn nur in Misthaufen oder auch sonst in Gartenerde?“, wollte Mungo wissen, als sie mit der kleinen Eisenbahn weiter fuhren. „Misthaufen lieben wir, weil da ordentlich Futter herumliegt. Es gibt Menschen, welche extra Wurmkokons oder Würmer in ihren Komposthaufen einstreuen. Das gibt immer ein Hallo. Und Essen ist in der Regel genug da. Winzige Würmchen schlüpfen und wir fressen im Frühling und Sommer den ganzen Misthaufen kurz und klein. Es bleibt dann wirklich nur toller Wurmhumus übrig, den die Menschen dann an die Pflanzen verteilen. Die Pflanzen lecken sich dann schon manchmal hungrig die Münder. Vor einigen Jahren wurde ich vom Pfarrer Elvis rund um seine Karottensaat ausgesetzt. Glücklicherweise hatte er den Boden oberhalb gemulcht. Wir nennen das so, wenn zum Beispiel Rasenschnitt oder auch alte Blätter dort ausgelegt werden. Das war toll, wir hatten dadurch jede Menge zu fressen und haben uns rührend um die Möhren gekümmert. Elvis war vielleicht glücklich über solche Prachtexemplare.“

Plötzlich sahen sie große, dicke runde kugelartige Gebilde aus den Wänden hervorschauen. Eine Kolonne Mistwürmer schippte Wurmhumus auf diese. „Das sind Kartoffeln“, sagte Rodolfo.“ Eine der besten Bodenpflanzen überhaupt. Und mit Wurmhumus werden diese stark und kräftig.

Lolly und Mungo waren baff. Auch Knolle und Flocke waren beeindruckt als sie sich wieder dem Ausgang näherten. „Oh ha, ich hätte nie gedacht, dass ihr so eine wichtige Funktion ausübt. Das habe ich etwas unterschätzt“, sagte Knolle. „Arbeitet ihr denn auch im Wald?“ „Wir als Mistwürmer eigentlich nicht. Der Boden ist uns da zu sauer. Eichenlaub schmeckt sehr bitter und Tannennadeln schmecken überhaupt nicht. Das ist nichts für uns. Im Wald wird das von anderen Lebewesen übernommen. Wir sind eher für Gärten und Wiesen oder auch Äcker zuständig. Am tollsten ist es aber in einem gemütlichen Komposthaufen.“

Lolly und Mungo hatten heute wieder etwas gelernt. „Danke, Rodolfo“, riefen sie aus einem Mund. Ihr Freund der Mistwurm war also ein echter Bodendoktor und dadurch hilfreich für Pflanzen und Tiere im Wubbjeland gleichermaßen. Sie waren stolz, dass sie ihn kannten, schwangen sich auf ihre Roller und rasten den Acker hinunter, direkt in Richtung ihrer kleinen Spechtbehausung. Das, was sie heute gelernt hatten, würden sie morgen in der Schule erzählen. Da würden die anderen Kinder aber staunen.

Regenwürmer züchen, Errichtung einer Wurmfarm


Bildquelle: Markus Nimtz

Wichtige Informationen für die Errichtung einer Wurmfarm (auch ein paar Antworten für Erwachsene):

Als besonders gutes Wurmfutter eignen sich:
• Teebeutel
• Kaffeeprütt
• Bananenschalen, gemalene Eierschalen (enthält Kalk, sehr wichtig!)
• Paprika (nicht zu scharf), Erdbeeren, Erdbeerverschnitt, Melonenreste; generell ungespritzte Obst- und Gemüsereste
• Brotreste
• Ab und zu etwas Kalk (durch die Verrottung des Materials wird der Boden ansonsten sauer), ggf. etwas Mineraldünger
• Kohlenstoffhaltiges Material (Zeitungspapier (ohne Farbstoffe), Pappe, Klorollen)
• Für draußen: Pferde-, Kuh-, Schaf-, Schweine-, Ziegen- oder Kaninchenmist (dieser sollte, bevor die Würmer ihn umwandeln dürfen, mindestens eine Woche auf einer Steinplatte abgelagert werden. Das enthaltene Ammoniak kann die Würmer ansonsten töten.)
• Das Futter sollte immer nur an einer Seite der Wurmkiste ausgelegt werden. Für den Fall, dass dieses nämlich nicht so gut geeignet ist, können die Würmer dann fliehen.

Absolut tabu sind:
• Säurehaltiges Futter wie Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen), Ananas)
• Gespritztes Obst und Gemüse
• Knoblauch
• Scharfe und stark gesalzene Essensreste
• Fleisch (lockt Ratten an)
• Geflügelmist (zu sauer)

Du wirst unter Umständen feststellen, dass Deine Würmer deutlich mehr fressen, als Du an Biomüll produzierst. Frage Freunde oder Bekannte oder ein Restaurant in Deiner Nähe. Auch andere freuen sich, wenn sie mit ihrem Biomüll „Gutes tun“ können.
Wie kann ich mit Wurmhumus meinen Boden verbessern?
Wenn der fertige Humus geerntet wurde (in einer Wurmkiste nach etwa 3-4 Monaten), dann streust Du ihn in einigen Zentimeter-Dicke auf den aufzuwertenden Bodens ein (ca. 2-3 cm).

Film auf YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=dp1aik2_fBc (von dem Autor dieses Buches und seinem Huhn Waltraud)

© Kai Behncke
http://umweltschutz-und-lebenshilfe.de

WWF-Bericht über den Regenwurm

Ein sehr interessanter Bericht wurde kürzlich vom WWF verfasst.

Der WWF-Bericht über den Regenwurmsteht steht hier bereit. In dem publiziertem Report wird darauf hingewiesen, dass Regenwürmer (wozu auch die Mistwürmer gehören) Ernten verbessern und Hochwasser abschwächen können.
Allerdings sei der Regenwurm stark gefährdet. In Deutschland existieren 46 Arten, von diesen jedoch ist etwa die Hälfte vom Aussterben bedroht.
Bekannterweise gehört Regenwurmkot (sogenannter Wurmhumus) zu den besten Düngeformen überhaupt. Er entsteht klassisch natürlich und fügt sich somit problemfrei in seine (Boden)-Umgebung ein.logo_wurm_12

Hoher Schaden durch die Landwirtschaft

Einmal mehr ist es leider die Landwirtschaft, welche maßgeblich am Rückgang der Regenwurmpopulationen beteiligt ist. Monokulturen, Bodenbearbeitung mit „schweren Maschinen“ oder aber der Einsatz von Gülle-Ammoniak sind schädlich für Regenwürmer.
Während auf Öko-Äckern schon einmal 450 Würmer pro m² gezählt werden, so liegt der Bestand bei konventionellen Böden teilweise nur bei etwa 30 Exemplaren pro m². Dieses führt dazu, dass der Boden schlecht durchlüftet und weniger Wasser aufgenommen wird (Gefahr der Bodenerosion). Zudem wird organisches Material schlechter verarbeitet, was sich wiederum in einer geringen Nährstoffverknappung ausdrückt [was wiederum zu einem erhöhten Düngemittelverbrauch führt].
„Guter Boden“ nimmt schon einmal 150 Liter Wasser pro m² und Stunde auf. „Schlechter Boden“ jedoch kann kaum etwas speichern. Überschwemmungen und Erosion können die Folgen sein.

Das Ziel muss es sein, eine bodenschonende, natürliche Landwirtschaft aufzubauen, humusschonend und nachhaltig. Und im eigenen Garten loslegen…denn dort kannst Du noch etwas verändern.

Wubbjes – Saatgutbällchen mit Wurmhumus

Vielen ist es sicherlich bekannt. Bienen und Hummeln haben es zur Zeit nicht ganz leicht. Pestizide, Monokulturen, Flächenversiegelung. In den letzten Jahren ist es massives Bienensterben zu verzeichnen, aber ohne Bienen keine Bestäubung und ohne Bestäubung keine Nahrung. Stirbt die Biene dann stirbt der Mensch.
Eine schöne Idee wird aktuell vom Projekt http://blumige-landschaften.de verbreitet.
Wubbjes: Samenbällchen mit Wurmhumus. Wir empfehlen den Einsatz dieser Bällchen ab April, um etwas für eine farbenfrohe Arterhaltung beizutragen; und auch der Regenwurm leistet dazu Hilfe.

Wie kann ich Wubbjes herstellen

Du benötigst einen Teil Saatgut (Bienen- oder Hummelmischung) und einen Teil Wurmhumus.
Das ganze wird dann mit Wasser und 5-6 Teilen Teilen Gartenerde gemischt. Anschließend soll das runde Bällchen dann noch mit einer Lehmschicht (etwa 1-2 Zentimeter) umschlossen und getrocknet werden.

Wubbje
Und dann gehts ans Einpflanzen (ab April). Einfach wild in die Erde setzen, auf Grünstreifen, in Stadtbeeten oder auf Brachflächen. Brummende und summende Gäste werden sich freuen, und die Regenwürmer haben auch ihren Beitrag geleistet. Sehr schön 🙂
Das Auge freut sich und der Überraschungsmoment in der Landschaft ist groß. Schaden entsteht keiner – Wunderbar!

Der Link zum Originalartikel
Farbenfroh

10 Pakete Würmer (je 1000 Stück) zu gewinnen

Liebe Leute,
an dieser Stelle gibt es 10 Pakete Würmer (je 1000 Stück) zu gewinnen (zu jeweils 25 Euro).
Es handelt sich dabei um die Wurmarten „Dendrobena veneta“ und „Eisendia foetida“.

Wie könnt Ihr mitmachen?

Es geht ganz einfach. Ihr setzt einen Link zu http://wurmpalast.de in einem Facebook-, Twitter- oder Google+-Posting, in welchem Ihr auf das Projekt aufmerksam macht. Alternativ könnt Ihr auch einen Link auf einer von Euch betriebenen Webseite setzen.
Ein Beispiel:
Auf Facebook schreibst Du z.B.:

Ein schönes Projekt: http://www.wurmpalast.de, dient dem Umweltschutz durch Förderung einer natürlichen Biomüllverwertung…

Dann schickst Du uns den Link zu Deinem Post an info /att/ wurmpalast.de und Du nimmst automatisch an dem Gewinnspiel teil. Dieses läuft bis zum 1. März 2016. Die Gewinner werden anschließend informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

25% des Restmülls in Österreich ist Biomüll – das sollte nicht sein. Das Start-Up wurmkiste.at hat dafür eine Lösung entwickelt.

Wurmkisten aus Holz in denen unzählbar viele Kompostwürmer leben und den Biomüll zu hochwertigem Wurmhumus umwandeln. Die Kisten sehen aus wie stylische fahrbare Hocker und integrieren sich perfekt in die Wohnung. Dort stehen sie auch beispielsweise in der Küche, eben dort wo der Bioabfall anfällt. Unangenehme Gerüche gibt es keine und die Würmer können auch nicht flüchten. Die Kompstwürmer fressen ihr halbes Körpergewicht am Tag und verputzen somit etwa 200g Biomüll täglich. Bei Besuch von Gästen sind die neuen Haustiere auch sofort Gesprächsthema Nr. 1.

Im Zuge des Projekts leben bereits 180.000 Kompostwürmer in den Wurmkisten von wurmkiste.at und verwerten jährlich 11 Tonnen Biomüll. Etwa 400 Menschen haben die Wurmkiste bereits in ihren Lebensalltag integriert. Gebaut werden die Wurmkisten von zwei Brüdern aus ökologischen Rohstoffen in einer kleinen Werkstatt in Oberösterreich. Angeboten werden sie fix-fertig, als Selbstbauset oder können im Rahmen eines Workshops selbst gebaut werden.
Mehr Infos unter www.wurmkiste.at
Wurmkisten

Wurmhumus und Permakulturen

Permakultur

Eine Permakultur ist eine landwirtschaftliche Kulturform, welche ein nachhaltiges, naturnahes und dauerhaftes Bewirtschaften in den Vordergrund stellt. Die Gesamtheit der landwirtschaftlichen Systeme wird betrachtet und Diversität, Stabilität und Widerstandsfähigkeit werden unterstützt. Der Begriff Permakultur setzt sitz aus perma(nent) und …kultur zusammen.
Verschiedene ethische Begriffe spielen dabei eine Rolle, wie z.B. ein achtsamer Umgang mit der Erde, ihren Ressourcen und ihren Lebewesen. Auch ein achtsamer (sozialer) Umgang mit den Menschen ist dabei wichtig, genau wie eine Selbstbegrenzung und eine Überschussverteilung.
Permakulturen sind langfristig angelegt, nachfolgenden Generationen sollen die Wert- und Gütestoffe der Erde unbeschadet übergeben werden. Auch Artenvielfalt, genetische Vielfalt sowie ökologische Vielfalt sind zu unterstützen. Der Leitsatz lautet: „Nachhaltige Optimierung statt kurzfristiger Maximierung.“ Kooperation statt Konkurrenz und die Beziehungen zwischen den Elementen (nicht aber die Elemente an sich) stehen im Blickpunkt der Permakulturen.

Wurmhumus

Regenwürmer und die Produktion von Wurmhumus gliedern sich optimal in Permakulturen ein. Durch ihre grabende Tätigkeit sorgen sie dafür, dass Wasser und Luft optimal in das Element Boden eindringen können. Abgestorbenes Pflanzenmaterial kann nachhaltig verwertet werden; nach einer Zersetzung durch Kleintiere (z.B. Milben, Asseln, später Bakterien) stehen diesem dem Regenwurm in ihrer Fülle zur Verfügung. Dieser wiederum produziert Wurmhumus, das bedeutet, durch den Kot des Regenwurmes wird der Boden mit vielen wertvollen Nähr- und Mineralstoffen angereichert. Wurmhumus beschleunigt die Keimung und Widerstandsfähigkeit von Jungpflanzen. Darüber hinaus wird ein eventueller Schädlingsdruck massiv reduziert. Nematoden und Pilzkrankheiten werden vermindert, die Pfalnzen wachsen „ungestörter“. Durch seine Fähigkeit Wasser aufzunehmen sorgt er dafür, dass – einem Schwamm gleich – es auf den betroffenen Bodenschichten nicht zu Überschwemmungen kommt, bzw. möglichst viel Wasser gebunden wird. Regenwurmhumus enthält verschiedene Enzyme, welche dafür sorgen, dass organische Masse im Boden „verwertbar“ wird und stellt zudem einen optimalen Torfersatz für Gartenerden dar. Wurmhumus ist ein fester Bestandteil von Permakulturen beziehungsweise sollte es unbedingt werden, da der die Prinzipien dieser Landwirtschaftsbewegung wie kaum ein anderer Stoff unterstützt.

Der Verein Gleisbeet e.V.

An dieser Stelle soll ein weiterer, sehr begrüßenswerter Verein vorgestellt werden: Der Verein Gleisbeet e.V.

Früher frequentiert von Zügen, heute Habitat für die Bedürfnisse der Nachbarschaft und Berlins Gartenenthusiasten.

Auf dem Gelände des ehemaligen Wriezener Bahnhofs in Berlin Friedrichshain zwischen den Partymeilen der Revaler Straße und dem Berghain haben sich in den letzten Jahren ein paar Initiativen angesiedelt. Darunter ein BMX-Park, Schulgärten, der vegane Biergarten „Nirgendwo“ und der Gemeinschaftsgarten GleisBeet, der seit 2015 als gemeinnütziger Verein tätig ist.

Seit dem ersten Spatenstich ist unsere Vision den Gemeinschaftsgarten mit permakulturellen Elementen und Ideen umzusetzen. Das bedeutet, Muster der Stadt, der Nachbarschaft und der Pflanzen auf das ehemalige Bahnhofsgelände zu beobachten, zu verstehen und daraus ein für alle nutzbares, Zufriedenheit förderndes Konzept zu entwickeln. Neben einem Ort, der Besucher und Anwohnern zum Verweilen und Entspannen einlädt, wird Bodenverbesserung getätigt damit ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere entsteht.

Durch die ehemalige Nutzung der Fläche für den Güterverkehr ist das Gelände des GleisBeets mit Schwermetallen kontaminiert. Die Geschichte der Fläche hat sich quasi mit den kleinsten Bodenpartikeln verwoben. Deswegen findet der Nutzpflanzenanbau nur in Hoch- oder Hügelbeeten statt. Die restliche Fläche wird via Phytoextraktion und Gründüngung aufgewertet und ein Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung darstellen.

Die gemeinschaftlichen Aktionen im Beet finden meistens einmal im Monat und nach Absprache oder Wetterlage auch öfter statt. Der Fokus liegt auf kreativem Bauen, Fruchtfolgegestaltung, Kreislaufgestaltung und einer funktionierenden Gemeinschaft – natürlich alles unter dem Hut der Urbanen Permakultur.

Doch was ist Permakultur überhaupt?

Der Begriff Permakultur setzt sich aus den beiden Wörtern permanent und agrikulture zusammen und wurde von den beiden Australiern Bill Mollison und David Holgrem geprägt. Ihre Vision beschäftigte sich mit der Frage, wie sich menschliche Lebensräume stabil und ökologisch verträglich gestalten lassen.
Permakultur war ursprünglich für eine nachhaltige Landwirtschaft entwickelt worden und mit der Zeit wurden die Prinzipien auf soziale und ökonomische Lebensbereiche ausgeweitet und mehrere Gestaltungsprinzipien entwickelt.

Der „Wurmverein“ und seine Beiträge zur Bodenverbesserung

An dieser Stelle soll ein Gastbeitrag (an einigen Positionen angepasst) des Vereins zur Förderung vermitativer Abfallverwertung und Humusproduktion e.V. („Wurmverein“) veröffentlicht werden.

Einleitung

Die Vorzüge des größten wirbellosen Bodenbewohners, dem Regenwurm, sind jedem Gärtner wohl bekannt.
Als tüchtiger Verwalter des Erdbodens erfüllt er außerordentlich wichtige Aufgaben für die Erhaltung des Lebens auf unserer Erde.
Würmer bereiten den Boden in einer ausgezeichneten Weise für das Wachstum der Pflanzen und für Sämlinge aller Art vor. Sie mischen das Ganze durcheinander, gleich einem Gärtner, welcher feine Erde für seine ausgesuchten Pflanzen zubereitet.“ (Charles Darwin)

Etwa seit 1949 wird in Deutschland der Einsatz von Würmern für die Kompostierung propagiert. Das wachsende Müllbergproblem war und ist akut, den Entsorgungsweg der Bioabfälle über die sog. „Speckitonne“ gab es nicht mehr. Dies war einer der Gründe, dass 1990 einige Wurmzüchter auf die Idee
kamen, eine Kommune mittels Wurmfraß von organischen Abfällen zu entsorgen. Es wurden Recherchen über evtl. existierende „Wurmabfallverwertungsanlagen“ mit dem Ergebnis durchgeführt, dass der Versuch zum Betreiben solcher Anlagen mehrfach unternommen, aber nie realisiert wurde.
Unter dem Motto: „Hast Du Würmer, bist Du nicht allein!“ gründeten am 23.08.1991 mehrere Wurmzüchter o.g. Verein. Sitz des Vereins wurde die Stadt Tambach-Dietharz, wo er sich heute noch befindet. Der Verein hat z.Zt. 20 Mitglieder und wurde zur Verwirklichung nachstehender Ziele gegründet:

  • kommunal anfallenden Biomüll in einer Wurmzuchtanlage zu verwerten
  • Beratung entsorgungspflichtiger Körperschaften zur Verwertung organischer Rest- u. Abfallstoffe
  • Betreuung von Wurmzüchtern und Humusproduzenten im Rahmen der Vereinsmitgliedschaft.
  • Popularisierung der vermitativen Abfallverwertung
  • Realisierung von weiteren vermitativen Abfallverwertungsanlagen.
  • Beschäftigung schwervermittelbarer Arbeitnehmer

Praktische Umsetzung

Mit der Idee, eine Kommune mit Hilfe von Würmern (vermitativ) von organischen Abfällen zu befreien, besuchten Wurmzüchter bereits seit 1990, über ein Jahr mehrere Umweltämter in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die von den Wurmzüchtern vorgeschlagene Abfallverwertung fand allerorts reges Interesse, eine Unterstützung wurde aber nicht zugesagt. Der Grund, eine derartige funktionstüchtige Anlage existierte nirgends. Es waren sich alle einig, eine funktionstüchtige Anlage musste her.
Auf Grund der bis dato gewonnenen Erkenntnisse und der Tatsache, dass in der Bundesrepublik keine bekannte Anlage dieser Art vorhanden war, beschlossen wir Wurmzüchter die Gründung des o.g. Vereins. Nachdem bereits Konzepte, sowie einige praktische Erfahrungen bei der Entsorgung von Biomüll im kleinen Umfang vorlagen und der Verein bei mehreren Beratungen Rede und Antwort stand, wurde Mitte März 1992 mit den Vorbereitungen für den Beginn der vermitativen Abfallverwertung der Stadt Tambach-Dietharz, in Zusammenarbeit mit der Stadt und Unterstützung des Landratsamtes Gotha begonnen.
Der Verein legte ein Konzept hinsichtlich Errichtung einer Pilotanlage zur schrittweise, kommunalen Bioabfallverwertung mittels Würmern vor. Dieses Konzept wurde am 06.05.92 von dem damaligen Thüringer Umweltminister Herrn Dr. Sieckmann, während eines Besuches in Tambach-Dietharz, sowie vom Umweltamt des LRA Gotha abgesegnet.
Der 04. Juni 1992 war ein historisches Datum im Vereinsleben. Mit einer „Belegschaft“ von ca. 250.000 Exemplaren von Humuswürmern ging in Tambach-Dietharz die Pilotanlage für vermitative Abfallverwertung in Betrieb. Es wurden Boxen mit einer Fläche von 9 m x 2 m auf einer Betonfläche errichtet und mit Wurmsubstrat besetzt. Die eingebrachten Würmer stammten von Züchtern an der Ostsee, aus dem Zittauer Raum bis hin zu
Baden-Württemberg und Hessen.
Diese Anlage war die Erste in Deutschland, die von einer Gebietskörperschaft gestützt und mit Mitteln der Bundesanstalt für Arbeit im Rahmen des Förderprogramms Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanziert wird, wenn gleich auch zeitlich begrenzt.

Auswirkungen

Durch ehrenamtliche Arbeit einiger Vereinsmitglieder (ca. 600 h/a) und mit tatkräftiger Unterstützung territorialer Verantwortungsträger, sowie regem Interesse der Bürger wird bis zum heutigen Tage mit dieser Anlage folgendes demonstriert:

  • die kontinuierliche Entsorgung der Biotonne u. individuellen Biomaterialanlieferung mittels Wurmfraß
  • die Umwandlung von organischen Abfällen, mittels Würmern, in pflanzenverfügbare Nährstoffe und somit in ein hochwertiges Endprodukt ist auch in größerem Maßstab möglich
  • hohe Anteile von Spurenelementen in dem Endprodukt Wurmhumus, die dem Pflanzenwachstum dienlich sind (wurde durch mehrere Laboratorien bestätigt)
  • die ganzjährige biologische Aufarbeitung von organischen Rest- u. Abfallstoffen
  • der Arbeitsablauf und Arbeitsaufwand bei der vermitativen Abfallverwertung
  • die technischen und baulichen Anforderung für diese Art der Abfallverwertung
  • die Auswirkungen dieser biologischen Umwandlung und Produktion auf die Umwelt
  • die Inhaltsstoffe und die Verwendungsmöglichkeiten des erzeugten Wurmhumus

An dieser Stelle sei erwähnt, dass es in den 24 Jahren, indem das in der Anlage entstehende Produkt BIOVERM verkauft wird, noch keine Reklamation
gab. Die Abfallverwertungsanlage wird gegenwärtig nur von den Vereinsmitgliedern betreut. Die notwendigen finanziellen Aufwendungen (Aufwandsentschädigung, Technik, Arbeitsmaterialien usw.) werden durch Mitgliedsbeiträge, Humus- und Wurmverkauf sowie ab und an durch einige Spenden getätigt.
Durch Unterstützung ansässiger Firmen, Privatpersonen, dem Einsatz von selbstentwickelter Technik sowie Erweiterung der Verarbeitungsfläche auf 410 m2 können wir auf eine Steigerung der Bioabfallverwertung von 170 Liter Abfall pro Woche 1992 auf gegenwärtig ca. 7500 Litern verweisen. Diese Menge stellt z.Z. den Gesamtdurchschnitt der Bioabfälle in der Stadt Tambach-Dietharz dar, die nicht von den Bürgern selbst kompostiert werden. Daraus folgt, dass sich die Stadt gegenwärtig mit Hilfe des Vereins hundertprozentig selbst entsorgt.

Einige Aktivitäten & Höhepunkte:

  • 1993 wurden Versuche mit Klärschlamm durchgeführt. Im Ergebnis konnte festgestellt werden, dass
    nach der vermitativen Verarbeitung die vorhandenen Schadstoffe auf ein Minimum reduziert wurden.
    Aus finanziellen Gründen konnten diese Versuche nicht weiter geführt werden.
  • Am 17.09.93 fand eine Beratung mit Privatwaldbesitzern statt. Gegenstand war das Patent des Vereinsmitgliedes
    Dr. Peter Wilde vom 23.05.87 zur Waldbodenheilung unter Verwendung von Wurmhumus.
    Der Vorschlag fand reges Interesse aber keine finanzielle Unterstützung.
  • Regelmäßige Durchführung von Tagen der offenen Tür
  • Unterstützung von interessierten Bürgern bei der Einrichtung von „Wurmkompostierungsanlagen“ im
    Kleingartenstil
  • Veröffentlichungen in der Presse zur Problematik Abfallverwertung mit Würmern
  • 1998 erhielt der Verein den Umweltpreis des Landkreises Gotha
  • Im Juli 2001 Auftritt im MDR „Mittags um 12“
  • Versuche zum Nachweis der biologischen Verbesserung des Waldbodens
  • Präsenz bei der Landesgartenausstellung 2004 in Zeitz, sowie bei Gärtnertagen in Gera und Erfurt und
    auf mehreren „grünen Märkten“ im Raum Thüringen
  • Im August 2005 wurde auf der Anlage in Tambach-Dietharz ein Fernsehbeitrag für die Sendung
    „MDR Garten“ gedreht
  • Verkaufsstand auf der Bundesgartenausstellung 2007 in Ronneburg
  • Am 11. August 2009 wurde im „Thüringen Journal“ ein vorher gedrehter Beitrag gesendet
  • Anfang 2010 wurde ein Versuch im Rahmen des Biologieunterrichtes mit der Regelschule Tambach-
    Dietharz unter Anregung von Christof Biemann (Redakteur der Sendung mit der Maus) gefahren, der
    am 18.04.2010 gesendet wurde
  • Im Juli 2010 wurde ein Fernsehbeitrag für die Sendung MDR „Hier ab Vier“ gedreht, der auch kurz
    darauf gesendet wurde
  • Interview Landeswelle im September 2010
  • 2015 Vorträge auf der Landesgartenschau in Schmalkalden und Ölsnitz

Weitere Informationen: http://www.wurmverein.de/

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