Der Nutzen von Regen- bzw. Kompostwürmern für eine Bodenverbesserung ist in der Wissenschaft bereits seit Anfang der 80er Jahre unstrittig nachgewiesen. Eine Fülle von Quellen belegen ihren positiven Effekt als Futtertier, Abfallverwerter bzw. außerordentlich günstigen Faktor für Bodenstruktur und Bodenqualität (vgl. dazu Bernier 1998, Dominguez & Edwards 2011a).

Es besteht kein Zweifel, dass man Regenwürmer in vielerlei Weise nutzbringend einsetzen oder verwerten kann und dass sie geeignet sind, nach den Bienen ein weiteres Nutztier unter den Wirbellosen zu werden.

Graff 2003, S.4

Regen- und Kompostwürmer ähneln sich in vielerlei Hinsicht. Wesentliche Unterschiede sind jedoch, dass sich Kompostwürmer deutlich leichter züchten lassen. Diese halten sich, anders als die Regenwürmer, in der Regel in den ersten zwanzig Zentimetern des Bodens auf.

Regen- und Kompostwürmer weisen eine ganz besondere Rolle bei der Bodenverbesserung auf. Der Boden und Regenwürmer stellen also eine wichtige Verbindung dar .Hinreichend nachgewiesen ist, dass durch Regenwürmer das Porenvolumen im Boden vergrößert wird. Dieses führt zu einer besseren Durchlüftung und einer erhöhten Wasserdurchlässigkeit, dadurch sinkt das Risiko einer Bodenerosion (beispielsweise durch Starkregen). Zudem wird die Aufnahmekapazität des Bodens erhöht. Gleichzeitig werden auch die Struktur des Bodens und die Nährstoffversorgung von Pflanzen gefördert. Organisch besetzter Oberboden sowie Minerale und Spurenelemente gelangen in tiefere Schichten und können dort von Pflanzenwurzeln aufgenommen werden. Zudem nutzen Wurzeln z.T. vorhandene Wurmröhren, um in tiefere Bodenschichten vorzudringen.

Boden und Wurmhumus

Wurmhumus, Bildquelle:https://en.wikipedia.org/wiki/Vermicompost#/media/File:Worm.casts.jpg
WurmhumusEin wesentlicher Nutzen, welchen Regen- und Kompostwürmer mit sich bringen, sind ihre Ausscheidungen, der sog. „Wurmhumus“. Unter „Wurmhumus“ werden an dieser Stelle die Ausscheidungen von Regenwürmern verstanden. Durch die Nahrungsaufnahme der Regenwürmer ist eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bedingt. Abgestorbenes organisches Material, welches bereits durch Mikroorganismen „bearbeitet“ wurde, wird gefressen. Zugleich wird dabei mineralisches Bodenmaterial aufgenommen. Während der Verdauungstätigkeit werden organische und mineralische Bestandteile gemischt (Sand und Nahrungsbrocken werden im Muskelmagen zerrieben) und schließlich als nährstoffhaltiger Kot ausgeschieden.

Die Durchmischung von Regenwurmkot und Bodenmaterial führt also zu stabilen Krümelaggregaten im Boden, welche die Nährstoffversorgung, Nährstoffspeicherung und Lockerung des Bodens fördern. Zusammen mit den Regenwurmgängen verbessern sie die Struktur des Bodenkörpers und die Fruchtbarkeit des Bodens nachhaltig. Es ist also eine Strukturverbesserung des Bodens, die mit einer erhöhten Lockerung, Durchmischung, Durchlüftung und Wasserspeicherfähigkeit einher geht, hervorzuheben (vgl. Dunger 1964, S. 79 ff.).
Ton-Humus-Komplex, Bildquelle:http://www.apfelschule.de/Boden1.jpg
Ton-Humus-Komplex Dieses resultiert aus ihren Ernährungsgewohnheiten sowie ihren Fähigkeiten, Röhren und Gänge im Boden zu graben. Durch die Verdauung großer Mengen organischen Materials, Bildung von sog. Ton-Humus-Komplexen und stabilen Bodenkrümeln innerhalb der Ausscheidungen sowie Förderung der mikrobiellen Aktivität besitzen Regenwürmer eine herausragende bodenbiologische Bedeutung.
Durch die Bindung der positiv geladenen Nährstoff-Ionen innerhalb der Ton-Humus-Verbindungen können die für die Pflanze wichtigen Stoffe nicht durch Regen in tiefere Bodenschichten ausgewaschen werden. Sie werden später von der Pflanze gelöst und aufgenommen. Dieses ist gleichzeitig ein Grundwasserschutz, da Nährstoffe nicht mehr so leicht in dieses hineinsickern können.

Je nach Boden-, Futter- und Wurmart gibt es unterschiedliche Analysen von Wurmhumus.
Bei Buch (1986) ist beispielsweise folgende Untersuchung zu finden:

Tab.1: Eigenschaften von Regenwurmkot und Ackererde aus verschiedenen Tiefen

Eigenschaften Regenwurmkot Boden (0-15 cm) Boden (20 – 40 cm)
Gesamt-Stickstoff (%) 0,35 0,25 0,081
Organischer Kohlenstoff (%) 5,2 3,23 1,1
C-N-Verhältnis 14,7 13,8 13,8
NO3-N (mg/l) (Stickstoff aus Nitrat) 22,0 4,7 1,7
P2O5 (mg/l) (Phosphorpentoxid) 150 20,8 8,3
Austauschbares Ca (mg/l) 2793 1993 481
Gesamt-Ca (%) 1,2 0,88 0,91
Gesamt-Mg (%) 0,54 0,51 0,55
Kalium (mg/l) 358 32 27
pH-Wert 7 6,4 5
Feuchtigkeit (%) 31,4 27,4 21,1

Berichtet wird zudem, dass Wurmhumus (produziert aus tierischen Abfallprodukten) oftmals mehr Mineralstoffe aufweist, als kommerzieller Pflanzendünger (Arancon & Edwards 2005). Orozco et. al. wiesen 1994 nach, dass „Kaffeeprütt“, durch den Mist- oder Kompostwurm zu Wurmhumus verarbeitet, einen deutlich höheren Phosphor-, Kalzium und Magnesiumgehalt als der Ausgangsboden aufweisen kann. Wurmhumus ist zudem reich an Enzymen und Mikroorganismen
(und damit auch an wachstumsfördernden Ausscheidungsstoffen von Mikroorganismen), Bakterien und Pilzen. Diese sind eminent wichtig für die Zersetzung biologischer Masse (Bruksch & Rimpau 2013). Es sind also nicht nur die Nähr- und Mineralstoffe innerhalb des Regenwurmhumus sondern insbesondere auch die überdurchschnittliche hohe Zahl von Kleinstlebewesen, welche Wurmhumus so wertvoll machen. Wurmhumus weist einen hohen Anteil an Humin- und Fulvosäuren auf sowie grosse Mengen des Bakteriums Pseudomonas fluorescens (hilfreich gegen verschiedene Pilzkrankheiten des Bodens).
Verglichen mit nicht durch Würmer verarbeitetem Boden ist der Wurmhumus etwa 1,3 bis 1,5 mal reicher an organischem Kohlenstoff und Stickstoff (vgl. Badhauria, Saxena 2010). Zudem kann Wurmhumus bei der Zucht eine beträchtliche Menge an Wurmkokons enthalten. Auch diese dienen einer besonderen Aufwertung des Bodens. Bekannt ist, dass mittlerweile verschiedene natürlich orientiere Gartenbaufirmen im Frühling eine große Menge an Wurmkokons in ihre Felder und Gewächshäuser einstreuen, um somit eine natürliche Bodenaufwertung zu fördern. So setzt beispielsweise die Westhof Bio Unternehmensgruppe Regenwurmkokons zur Bodenverbesserung ein (400.000 Stück werden zu Saisonbeginn „eingesät“).

Nachgewiesen wurde auch, dass schon geringe Mengen an Wurmhumus (bis etwa 10 % Bodenanteil) beträchtliche Wachstumsschübe mit sich bringen (Arancon & Edwards 2005). Als allgemeine Regel sollte Erde mit zehn bis zwanzig Prozent Wurmhumus angereichert werden. Du brauchst also nur Deinen „geernteten“ Wurmhumus nehmen und ihn (z.B.) in den Oberboden (in die ersten zwanzig Zentimeter) Deines Gartens einarbeiten. Hast Du selber keinen Garten, so freuen sich sicherlich Freunde oder Familienangehörige über Dein Geschenk. Auch ein Verkauf, beispielsweise über Ebay, kann Sinn machen. Direkt leistest Du damit einen kleinen aktiven Beitrag zu einer Bodenverbesserung. Züchtest Du allerdings eine Pflanze in purem Wurmhumus bzw. hohen Mengen davon, so wird sie jedoch in ihren Wachstum gehemmt (Bruksch & Rimpau 2013).

Literatur:

Arancon N.Q. & Edwards, C.A. (2005): „Effects of vermicomposts on plant growth“.Paper presented during the International
Symposium Workshop on Vermi Technologies for Developing Countries (ISWVT 2005),Los Banos, Philippines November 16-18, 2005

Badauria T. & Saxena K. G. (2010): Role of Earthworms in Soil Fertility Maintenance through the Production of Biogenic Structures. In: Applied and Environmental Soil Science. S. 1-8

Bernier, N. 1998. Earthworm feeding activity and development of the humus profile. Biology & Fertility of Soils, 26, 215-223.

Bruksch, L. & Rimpau, J. (2013): Kompost aus der Kiste. Wurmkisten für den Hausgebrauch selber bauen. Stuttgart.

Buch, W. (1986): Der Regenwurm im Garten. Stuttgart

Dominguez, J. & Edwards, C.A. (2011a): „Relationships between Composting and Vermicomposting“ in:
Edwards, C.A., Arancon, N.Q. & Sherman, R. (Herausgeber) 2011. Vermiculture Technology: Earthworms, Organic Wastes and Environmental Management. Boca Raton. S. 11-25

Dominguez, J. & Edwards, C.A. (2011b): „Biology and Ecology of Earthworm Species Used for Vermicomposting“ in:
Edwards, C.A., Arancon, N.Q. & Sherman, R. (Herausgeber) 2011. Vermiculture Technology: Earthworms, Organic Wastes and Environmental Management. Boca Raton. S. 27-38

Dunger, W. (1964): Tiere im Boden. Wittenberg

Graff; W. (2003): „Regenwürmer“, in: Ökoportrait 35, NVN/BSH, Beilage zu Natur und Kosmos. München. S.1-4

Orozco, S.H., Cegarra, J., Trujillo, L.M. and Roig, A. (1996) Vermicomposting of coffee pulp using the earthwormEisenia fetida: effects on C and N contents and the availability of nutrients. Biology and Fertility of Soils. 22: 162-166.

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